Danube-Networkers

Statement zur Strategie der Entwicklung der Donau-Region

Im Rahmen der öffentlichen Konsultation der Europäischen Kommission zur EU - Strategie für den Donauraum, hat das Zentrum für Allgemeine Wissenschaftliche Weiterbildung (ZAWiW) der Universität Ulm einen Bericht zum Thema "Angebote des Lebenslangen Lernens für Ältere als gesellschaftliche Notwendigkeit im Donauraum" verfasst, welcher an die Europäische Kommission übersandt wurde. Dieser Bericht wird von Vertretern aus 60 Organisationen, sowohl aus dem Donauraum wie auch internationalen Organisationen, unterstützt.

Öffentliche Konsultation der Europäischen Kommission zur Europäischen Union -Strategie für den Donauraum

Angebote des Lebenslangen Lernens für Ältere als gesellschaftliche Notwendigkeit im Donauraum

 

Hier finden Sie den vollständigen Bericht als PDF

 

Die Bevölkerung im Donauraum altert rasant

Dem Gebiet, das von der EU-Strategie für den Donauraum betroffen ist, steht ein gewaltiger demographischer Wandel bevor. Neueste Eurostat-Prognosen (1/2010) gehen davon aus, dass im Jahr 2030 bereits 23,3 % der Bevölkerung in diesen Ländern 65 Jahre und älter sein wird. Im Jahr 2010 liegt diese Quote bei 16,5 % – in den nächsten zwanzig Jahren wird sie also um 6,6 % wachsen.

 

Diese Entwicklung betrifft ausnahmslos alle Donauländer und ist in ihnen sogar noch ausgeprägter als im Rest der EU-27 (durchschnittlicher Anstieg: 5,8 %). Zudem gibt es in manchen Regionen des Donauraums eine starke Migration der arbeitenden Bevölkerung, die das Altern der dort ansässigen Bevölkerung noch beschleunigt. All diese Veränderungen werden schwerwiegende gesellschaftliche Auswirkungen haben. Wirtschaft, Soziales und Wohlfahrt werden ebenso betroffen sein wie Bildung und Kultur.

 

 

Ältere sind wertvolles Humankapital

Angesichts dieses Umwälzungsprozesses kann es nur überraschen, dass der Bedeutung Älterer für die Gesamtgesellschaft oft nicht genügend Rechnung getragen wird. In zwanzig Jahren werden Senioren/-innen ein Viertel der Bevölkerung stellen – es ist an der Zeit, sie als wertvollen Bestandteil der Gesellschaft zu betrachten und ihre Kompetenzen zu fördern.

 

Man darf ältere Erwachsene (55+) nicht mehr als eine homogene Gruppe passiver Menschen oder als pflegebedürftige Last sehen. Diese Altersgruppe ist vielmehr aktiv und besteht aus verschiedensten Lebensstilen und sozialen Milieus, die sich innerhalb und zwischen Ländern beträchtlich unterscheiden können – genau wie bei anderen Teilen der Bevölkerung auch. Diese unterschiedlichen Personen besitzen Erfahrungen und Fähigkeiten, die für die Gesellschaft und jüngere Generationen kostbar sind, etwa durch ihre personellen, sozialen und professionellen Kompetenzen. Ältere Arbeitende und ihre spezifischen Kenntnisse werden auf den Arbeitsmärkten der Donauregion dringend benötigt. Die aktive Partizipation und soziale Inklusion dieser Bevölkerungsgruppe fördert die Zivilgesellschaft und ist für das Gedeihen der gesamten Gesellschaft unabdingbar.

 

 

Unter diesen Bedingungen ist Lebenslanges Lernen eine Notwenigkeit, kein Luxus

Um das Potenzial Älterer voll zu nutzen, müssen sie Zugang zu Angeboten des Lebenslangen Lernens haben. Die heutige Benachteiligung von Senioren/-innen bei Bildungsangeboten ist alarmierend. Sogar in Dokumenten, die im Kontext der Donaustrategie veröffentlicht wurden, wird diese Benachteiligung deutlich: Wird Bildung als Priorität genannt, sind Schüler/-innen, Studierende oder Wissenschaftler/-innen die Zielgruppen. Geht es um Probleme, die durch die Alterung der Gesellschaft entstehen, wird Bildung als Lösungsansatz nicht einmal erwähnt.

 

Entgegen allgemein verbreiteten Vorurteilen verringern sich geistige Fähigkeiten jedoch nicht unbedingt mit fortschreitendem Alter. Ältere bedürfen lediglich einer Stimulation durch angemessene Lernaktivitäten. Ferner zeigt die moderne Hirnforschung, dass Lernen die Gesundheit von Senioren/-innen verbessert und also auch für die Gesundheitsvorsorge ein wichtiger Vorteil ist.

 

Alternde Gesellschaften wie diejenigen im Donauraum können es sich schlicht nicht leisten, das enorme Potenzial Älterer zu verschwenden. Lebenslanges Lernen ist entscheidend dafür, der Gesellschaft die Kompetenzen und Produktivität Älterer zu sichern. Diesem wachsenden Teil der Bevölkerung müssen unbedingt Lernangebote zur Verfügung gestellt werden, die speziell für ihn entwickelt wurden. Strukturen wie die Universitäten des Dritten Lebensalters (Seniorenstudium) müssen gefördert und weiter entwickelt werden. Formelle Lernangebote müssen mit informellen und non-formalen Lernumgebungen kombiniert werden, zum Beispiel in selbstgeleiteten Gruppen und Aktivitäten für Rentner. Die Bedeutung des Lernens außerhalb formeller Strukturen wächst und sollte in Bildungspolitik und finanzieller Förderung berücksichtigt werden.

 

 

Lebenslanges Lernen als Brücke zwischen Wissenschaft und Gesellschaft

In alternden Gesellschaften können sich Universitäten nicht mehr auf ihr herkömmliches Klientel beschränken. Angebote des wissenschaftsfundierten Lebenslangen Lernens für Erwachsene über 55 muss als eine neue Aufgabe betrachtet werden. Wissenschaftsfundiertes Lebenslanges Lernen informiert Menschen auf der Grundlage wissenschaftlicher Fakten. Es sollte das Bewusstsein dafür fördern, dass soziale und institutionelle Reformen für alle Menschen im Donauraum von Bedeutung sind. Solche Lernangebote sind eine gesellschaftliche Notwendigkeit und kommen auch den Universitäten selbst direkt zugute: sie sind eine Verbindung zwischen Wissenschaft und Gesellschaft und verbessern die Verbreitung wissenschaftlicher Ergebnisse sowie den Ruf der Universität. Durch die Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen können die positiven gesellschaftlichen Effekte noch verstärkt werden.

 

Es gibt bereits in zahlreichen Donauländern Strukturen des wissenschaftsfundierten Lebenslangen Lernens, die sich jedoch erheblich unterscheiden. Diese Strukturen sollten gefördert, erweitert und dort, wo es nötig ist, neu geschaffen werden. Universitäre und andere wissenschaftsfundierte Angebote des Lebenslangen Lernens sollten sich nicht nur an Menschen mit formellen Bildungsabschlüssen richten, sondern vielmehr alle Menschen ansprechen, die ihre Bildung verbessern und aktiv am Lernprozess teilnehmen wollen. Zudem können Senioren/-innen zu intergenerationellem Lernen beitragen, indem sie ihre eigenen Kenntnisse und Erfahrungen einbringen und sie jüngeren Generationen zu Verfügung stellen.

 

 

IKT bieten hervorragende Möglichkeiten für Lernen und soziale Partizipation

Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) bieten eine sinnvolle Möglichkeit, gemeinsam mit anderen zu lernen und wissenschaftsfundierte Weiterbildung auch außerhalb von Universitäten anzubieten. IKT werden im Alltag immer wichtiger, sei es im Beruf oder im Privatleben. Aber in Hinblick auf ihre Nutzung gibt es eine große Diskrepanz zwischen Alt und Jung: Im gesamten Donauraum wird das Internet von Älteren im Vergleich zu jüngeren Kohorten bedeutend weniger genutzt. Heutzutage ist die Fähigkeit, das Internet auf produktive Art zu nutzen, jedoch eine zentrale Schlüsselqualifikation.

 

Aus diesem Grund sind IKT ein notwendiger Bestandteil des Lebenslangen Lernens. Sie ermöglichen älteren Erwachsenen die aktive Teilhabe an der Gesellschaft und an E-Learning-Aktivitäten. E-Learning hat den Vorteil, dass es auch für Menschen im ländlichen Raum und in ihrer Mobilität eingeschränkten Personen zugänglich ist. Ferner können in E-Learning-Angeboten formelles und non-formales Lernen verbunden werden, indem neben einem Kursprogramm auch Interaktion, Kommunikation und die Schaffung wissensbasierter und sozialer Gemeinschaften gefördert werden.

 

Senioren/-innen mit der Nutzung des Internets vertraut zu machen ist ein wichtiger Schritt, um sie auf politische und soziale Kooperation und Teilhabe vorzubereiten. So können sie ihr Potenzial voll ausnutzen.

 

 

Wie man Lebenslanges Lernen für Ältere im Donauraum fördern kann

Durch den Brückenschlag zwischen Universitäten und Gesellschaft sowie durch die Nutzung von IKT im Lebenslangen Lernen wird die Entstehung einer demokratischen wissensbasierten Zivilgesellschaft gefördert. Eine solche Verbindung kann etwa durch ein Netzwerk von Universitäten und Nichtregierungsorganisationen entstehen, das den Austausch von bewährten Verfahrensweisen in der Seniorenbildung fördert. In einem kleineren Maßstab wurde dies bereits im Projekt „Danube-Networkers“ ausprobiert (www.danube-networkers.eu). Dabei handelt es sich um ein Pilotprojekt, das wissenschaftsfundiertes Lebenslanges Lernen, IKT-Verwendung und grenzübergreifende Kooperation vereinte. Es hat gezeigt, dass IKT transnationale Zusammenarbeit erleichtern und ihren Nutzen steigern, z.B. dadurch, dass sie die Einbindung von Bewohnern des ländlichen Raums ermöglichen.

 

Generell sollte die EU der wachsenden Bedeutung des Lebenslangen Lernens für Ältere Rechnung tragen, indem sie deren soziale Eingliederung zur politischen Priorität macht. In der Erklärung des Donaugipfels in Budapest (März 2010) wird Akteuren der Zivilgesellschaft allgemeine Wichtigkeit in vielfältigen Bereichen beigemessen. Das ist ein erster Schritt hin zur Stärkung der Zivilgesellschaft im Donauraum. Aber der politische Wille sollte noch stärker auf Lebenslanges Lernen und die Einbeziehung Älterer gerichtet werden. Dieses Ziel verfolgt das vorliegende Dokument. Für das „Empowerment“ dieses großen Teils der Bevölkerung und das Gedeihen der Donauregion sind die oben beschriebenen Themen von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit.

 

Ulm, 29/03/2010

 


Kontakt

Zentrum für Allgemeine Wissenschaftliche Weiterbildung (ZAWiW) der Universität Ulm

AKad. Dir’in Carmen Stadelhofer

Albert-Einstein-Allee 47

89081 Ulm, Germany

Tel:  +49 731 50-23193

Fax: +49 731 50-23197

info@zawiw.de

Beteiligte Organisationen

Die folgenden Organisationen und Einzelpersonen haben dieses Statement in schriftlicher Form unterstützt, weitere Unterstützer/-innen sind erwünscht und werden folgen.

 

Hier finden Sie die vollständndige Liste als PDF