Öffentlichkeitsarbeit

Die Bewegung von unten

Autor: JAKOB RESCH / SüdwestPresse 18.05.2010

 

Ulm. Europa soll von unten wachsen und nicht von oben verordnet werden. Das ist das erklärte Ziel der Donaustrategie. Ulmerinnen zeigen, wie es geht.

 


Nach dem Auftakt im Februar in Ulm ist in der vergangenen Woche im bulgarischen Ruse die vierte EU-Konferenz zur Donaustrategie gelaufen. Die Ulmer Farben sind dabei neben Donaubüro-Direktor Peter Langer von Dagmar Engels und Carmen Stadelhofer vertreten worden. Sie stehen auch für ein Ziel der Donaustrategie, das in der Masse der Funktionärsstrategen unterzugehen droht: für den Aufbau zivilgesellschaftlicher Strukturen.


Stehen sonst Verkehr, Umwelt, Energie im Blickpunkt, so knüpfen die beiden Frauen - nicht zuletzt im Internet - Netzwerke der Erwachsenenbildung die Donau hinunter. Auf den Konferenzen sind sie dafür bereits als "die aus Ulm" bekannt. Dagmar Engels: "Europäische Identität im Donauraum entsteht nicht durch Infrastrukturprojekte."


Die Volkshochschulleiterin ist im Dienste des Ulmer Frauennetzwerkes unterwegs. Schon zum Donaufest 2008 gab es eine Konferenz über "Frauen und Bildung", die ein Projekt über Bildungsbiografien angestoßen hat. Viele Ulmerinnen sind so europäisch aktiv. Beantragt ist nun ein Projekt zu "Geschlechterverhältnissen in Bildungspolitik und -praxis in der Donauregion". Auch Frauenhandel ist ein Thema.


Carmen Stadelhofer, Leiterin des Zentrums für allgemeine wissenschaftliche Weiterbildung (Zawiw) an der Uni, ist im Dienste der Senioren unterwegs. "Viele Ältere wollen sich einbringen und tun das auch." Man müsse die Menschen an der Donau auch mit ihren Problemen und Ausgrenzungen wahrnehmen. "Senioren werden nicht als relevante Größe gesehen", Erwachsenenbildung sei flussabwärts allgemein unterentwickelt. Schon fragte jetzt der Pensionistenverband Ruse an, wie man diese organisiert.


Auf den Konferenzen versuchen die beiden, Geist und Inhalt der Donaustrategie mit zu prägen. Dagmar Engels will "den partizipationsorientierten Prozess" fördern. Carmen Stadelhofer sagt: "Man kann die politischen Wege beeinflussen."


Tatsächlich bilden die Ulmerinnen dabei eher die Ausnahme, weil frei organisierte Gruppen anders als Funktionäre oft nicht das Geld haben, Reise und Unterkunft selbst zu bezahlen. Dabei dürfen sie sich ganz auf Brüsseler Seite fühlen, was das Konzept für die Donaustrategie angeht. Schließlich soll diese nicht von oben verordnet, sondern von den Menschen im Donauraum von unten mit Leben erfüllt werden.


Ulm dient dabei als Vorbild, sagt Carmen Stadelhofer: "Das Besondere an den Ulmer Donauaktivitäten ist, dass es nicht nur eine One-Man-Show ist." Und Dagmar Engels: "In Ulm gibt es Menschen, die bereit sind, sich dafür einzusetzen."

 

Die fünfte und letzte Donaukonferenz findet im Juni im rumänischen Constanza statt.

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