Öffentlichkeitsarbeit
Irgendwie verständigt
Autor: Saskia Gamradt / SÜDWESTPRESSE Ulm - 14. Juli 2008
Senioren aus Donauländern zu Besuch
Auch das ist das internationale Donaufest: 50 Senioren aus zehn Donauländern trafen sich und gründeten die "Danube-Networkers".
Das Austauschprojekt wird auf jeden Fall fortgeführt.
Ulm "Wir haben notfalls mit Händen und Füßen gestikuliert, um uns zu verständigen", sagte Marlene Faul. Zusammen mit 50 Senioren von Weiterbildungseinrichtungen aus Ulm und den neun Donauländern hat sie an dem Projekt "Danube-Networkers" teilgenommen. Die 71-Jährige hatte zwei Gäste aus Bulgarien beherbergt, die nur wenig bis gar kein Englisch sprachen.
Eine Woche lang tauschten sich die 50 Senioren nicht nur
länderübergreifend, sondern auch generationsübergreifend aus. Bei
Sprachproblemen gab es Unterstützung von Dolmetschern, die dank
familiären Hintergrunds mehrere südosteuropäische Sprachen sprechen.
Sonst verständigte man sich irgendwie, notfalls eben pantomimisch.
Während der Begegnungstage entwickelten die Teilnehmer Ideen und
konkrete Konzepte, um die Seniorenbildung weiter auszubauen oder wie
die Älteren ihr Wissen an die Jüngeren weitergeben könnten.
Die Abschlussveranstaltung fand statt mit Schirrmherrin und Landessozialministerin Monika Stolz, Oberbürgermeister Ivo Gönner
und allen Beteiligten. Doch eigentlich war es eine Startveranstaltung. Denn das Projekt ist längerfristig angelegt und soll
in den neun Donau-Gastländern wie Slowakei, Rumänien oder Österreich weite Kreise ziehen.
Ins Leben gerufen wurde das Projekt vom Arbeitskreis Europakontakte des Zawiw an der Uni Ulm (Zentrum für allgemeine
wissenschaftliche Weiterbildung). Die über 40 internationalen "Danube-Networkers" trafen sich mit Jugendlichen aus dem
Jugendcamp des Donaufestes, besuchten die Uni, tanzten beim Folklore-Abend.
Doch ein besonderes Ergebnis des Projektes ist die Ausstellung "Heimat in der Schachtel", die im Donauschwäbischen
Zentralmuseum zu sehen ist. Jeder Teilnehmer gestaltete einen Würfel, jeweils mit Foto des Gestalters, Landkarte und
Collage zum Heimatland an der Donau. Der Clou des Quaders: Jeder hat einen Gegenstand hinein getan, der für ihn Heimat
symbolisiert. In den über 40 Würfeln stecken Gegenstände wie Steine, Textilstücke, Schmuckstücke oder Gedichte.
Die Zusammenarbeit förderte auch den Austausch über den
unterschiedlichen Umgang mit alten Menschen in den Staaten. In vielen
Donauländern gibt es keine oder nur unzulängliche
Weiterbildungsmöglichkeiten. "Die slowakische Regierung darf uns ältere
Menschen nicht vergessen. Sie rechnet nicht damit, dass die Bevölkerung
immer älter wird", sagte Magdalena Jankovichova, eine Teilnehmerin von
der Uni des dritten Lebensalters in Bratislava. Senioren seien dort
eine Randerscheinung. Die 64-Jährige wünscht sich eine bessere
Verständigung zwischen Jung und Alt. Als Danube-Networkerin nimmt sie
viele Erfahrungen mit heim.


