Danube-Networkers
Beethoven und die Donau
Text: Elfi Marek
Die ungarische Gräfin Erdödy hatte auf der linken Seite der 1815 noch unregulierten Donau in Jedlesee, heute ein Teil des 21.Wiener Gemeindebezirkes, ein Landhaus erworben.
Mit Beethoven, der damals am rechten Donauufer in Nussdorf lebte, verband sie eine aufrichtige Freundschaft.
Die Gräfin war eine große Musikfreundin, in deren Landhaus viel musiziert wurde und Beethoven ein gern gesehener Gast war.
Eine Fahrt von Nussdorf mit dem Wagen war damals äußerst umständlich. Von Nussdorf hätte Beethoven zuerst in die Innenstadt fahren müssen, dann durch die Leopoldstadt über 3 Donaubrücken nach Jedlesee. In einer in Versen abgefassten Einladung hatte die Gräfin Beethoven ihren eigenen Wagen angeboten:
„Ich kam von Jedlesee als Both zum ersten Compositeur nach Gott.
Der Gräfin Erdödy Gnaden lässt Sie zum Punsche laden,
Und was das Land noch sonsten beut.
Der Wagen steht zweispännig schon bereit,um Sie mit mir dahin zu fahren',
Bis halb zwei wird'ich Ihrer harren."
Beethoven wollte sich diese Tour offenbar nicht antun, in einem Brief heißt es:
„Ich setze übrigens getrost den Weg wie vorhin über die Donau, mit Muth gewinnt man allenthalben, wenn er gerecht ist.... Schicken Sie also keinen Wagen, lieber w a g e n ! Als einen W a g e n."
Die Überfuhr von Nussdorf nach Jedlesee war um einiges kürzer, allerdings auch gefährlicher. In einem Bericht heißt es diesbezüglich:
"Die Schiffsleute fahren, wie sich eben Passagiere finden. Sie arbeiten sich mit Stangen etwa 500 Schritte bis zur sogenannten Hammerschmiede aufwärts, um jenseits am rechten Punkte zu landen, und in 5 bis 7 Minuten erreicht man das andere Ufer, die schwarze Lackeninsel. Jedlesee liegt dicht am jenseitigen Ufer."
Um die Bequemlichkeit für Beethoven zu steigern, ließ die Gräfin eine eigene Türe in ihrem Garten anbringen, durch die der Weg zu ihrem Haus verkürzt wurde.
So wurde auch damals die Donauüberfuhr zu einer Verbindung zwischen einem großen Künstler und einer großen Musikliebhaberin und Muse Beethovens.
In Erinnerung an diese Schicksalstage erklingen noch heute im nunmehrigen Beethovenhaus, das dem Verein der Freunde der Beethoven-Gedenkstätte in Floridsdorf als Wirkungsstätte dient, seine Melodien.


