Danube-Networkers
Eisvogel, wieder zu Hause in den Donauauen
Text: Gerti Zupanich
Bilder: Antonicek – freigegeben für Berichte über den Nationalpark Donauauen
Nur ein einziges Mal hatte ich das Glück, diesen schillernden Vogel selbst zu sehen. Es war an einem warmen Frühlingstag, als ich ruhig am Ufer eines Altarms in den Donauauen saß. Ein Vögelchen saß auf einem Zweig in der Böschung und trällerte sein „ti-it“. Plötzlich wurde er ganz ruhig, legte seine Federn an und senkte den Kopf. Pfeilschnell stieß er ins Wasser und zog einen kleinen Fisch heraus. Wie heißt nur dieser Türkis und Blau schillernde kleine Vogel? Ist das tatsächlich ein Eisvogel?
Als hätten ihn meine Gedanken aufgescheucht, war mein Vogel wieder weg und ließ mich zurück, als hätte ich eine Fata Morgana gehabt.
Es war relativ leicht, mich über seine Art kundig zu machen, denn er war gerade zum „Vogel des Jahres 2009“ gewählt worden: seine äußere Erscheinung, 16-18 cm groß und 35 - 40 Gramm schwer, sein Gefieder kobaltblau bis türkisfarben. Die Verwandten aus der Alcedo atthis Familie sind in den Feuchtgebieten Westafrikas, Südasiens, Indiens, Japans und Chinas zu Hause. Besuche macht er bei ihnen nicht, denn er ist kein Zugvogel. Er braucht zum Jagen frei fließendes Süßwasser mit gutem Fischbestand und feste Zweige als Beobachtungsplatz. Zum Brüten sind ihm lehmige, sandige steile Uferböschungen am liebsten. Er lebt vorwiegend in monogamer Brutehe. Bei der Balz versucht das Männchen seiner Angebeteten mit kleinen Fischen zu imponieren. Die röhrenförmigen Bruthöhlen werden gemeinsam angelegt und die 6 - 8 Eier abwechselnd bebrütet. Viele der Jungvögel sterben bei eisigen Wintern mit zugefrorenem Wasser. Habichte, Füchse, Ratten, Maulwürfe gehören zu ihren Fressfeinden.
In Europa geht seine Population kontinuierlich zurück und er steht auf der „Red List “. Um sich wieder zu erholen, benötigt er ruhige Jagdreviere mit Kleinfischbestand, Kaulquappen und Larven, die in Europa durch Flussregulierungen immer seltener werden. Diese idealen Bedingungen findet er glücklicherweise im „Nationalpark Donauauen“ in Österreich vor.
Alljährlich gibt es im Winter am Meer die windstillen „halkyonischen Tage“. Sie gehen auf die griechische Sage von Halkyone zurück, deren Gatte Keyx im Meer ertrank. Voller Schmerz stürzte sie sich ebenfalls in die Fluten. Ihr Vater, der Windgott Äolus, erbarmten sich der Verzweifelten und verwandelte beide zu Eisvögeln, die am Spiegel des Meeres ihr Nest haben. Seither hält der Windgott für 14 Tage den Wind an, um ihnen „glückliche Tage der Ruhe“ zu ermöglichen.
Wir wünschen dem „schillernden Edelstein“ viele Jungvögel, ein artenreiches Fischwasser, tiefe Bruthöhlen, milde Winter und kein Hochwasser im Frühling und Sommer. Ich persönlich hätte gerne ein zweites Mal das Glück, ihm zu begegnen.




