Danube-Networkers

"Possible Europe" was bedeutet dies für mich?

Text: Marlene Faul



Schon in jungen Jahren interessierte ich mich für andere Länder und ihre Menschen. So war ich bereits mit 16 Jahren, also im Jahre 1953, zusammen mit einer Freundin in Italien. Diese Reisen konnte ich im Laufe meiner Lebensjahre, heute bin ich 72, kontinuierlich fortsetzen und erweitern. Es waren aber bis auf wenige Ausnahmen alles "westliche" Länder. Und nun ist der eiserne Vorhang gefallen bzw. hat sich stark gelichtet und jetzt möchte ich von den "östlichen" Ländern mehr erfahren. Wie ginge das besser, als mit anderen, gleichgesinnten Menschen, die ich bei den Danube-Networkern im Arbeitskreis Europakontakte im Zawiw gefunden habe. Zusammen mit ihnen gibt es die mannigfachsten Begegnungen hier in Ulm und natürlich in den entsprechenden Ländern. Wichtig ist es für mich zu erfahren, wie leben und denken die Menschen heute, was mussten sie alles erdulden in der schlechten Zeit hinter diesem Vorhang, als es uns ja bereits so gut ging. Was haben sie alles geleistet, die Forschung und Wissenschaft wurde ja auch dort weiterhin betrieben, unter welchen Umständen?


Die verschiedenen Kulturen möchte ich näher kennenlernen. Da Ulm ja direkt an der Donau liegt und bis zu ihrer Mündung im Schwarzen Meer völkerverbindend ca. 10 Länder durchfließt und bereits im 16. Jh. Schifffahrt und Handel mit speziellen Flößen bzw. Schiffen betrieben wurde, weiß ich um die Kulturvielfalt schon einiges, aber besser wird es doch direkt von den Menschen erzählt und gezeigt. So hatten wir im Zusammenhang mit einem Donaufestival Senioren nach Ulm eingeladen. Sie kamen z.B. aus Rumänien, Ungarn, Moldawien, Bulgarien, Serbien, Österreich und wohnten natürlich bei uns im privaten Rahmen. Ich freute mich auf zwei Bulgarinnen und war begierig, von ihnen viel Neues zu erfahren. Es wurde angesagt, dass englisch gesprochen werden kann. Leider waren aber unser beiden Kenntnisse in dieser Sprache doch zu schlecht. Es gab in unserem Zusammenleben einige Schwierigkeiten. In Gebärdensprache versuchte ich immer wieder heraus zu bekommen, ob alles o.k. ist, ob sie gut schlafen usw. Immer wurde der Kopf geschüttelt. Ich war verzweifelt, ich hatte mich doch so bemüht, alles schön und gut für sie zu machen, Getränke, Obst, Süßigkeiten, Kosmetika hatte ich bereitgestellt. Bis ich durch Hilfe der offiziellen Übersetzerin in Erfahrung brachte, dass Kopfschütteln in Bulgarien "ja" bedeutet und Kopfnicken "nein". Was habe ich gelacht! Aber ich möchte doch betonen, dass es auch ohne Sprache zu schönen Stunden gekommen ist. Wir haben gesungen - ohne den Text zu verstehen - wir haben getanzt, dabei gelacht und einfach gespürt, wie gut es ein kann, sich kennenzulernen und zu verstehen.

Und beim Abschied schenkten sie mir noch ein Leporello über ihr Heimatland Bulgarien. Ich habe gesehen, wie viele Klöster es dort gibt - also sollte ich mich doch eigentlich auch über ihre Religion kundig machen. Meine Neugier ist groß, und ich hoffe, meine beiden Damen vielleicht mal besuchen zu können. Ich denke sehr häufig an unsere Begegnungen. Natürlich waren bei diesem Donaufest noch andere, sehr befruchtende Begegnungen und Gespräche mit Menschen, die man noch nie gesehen hatte, und ich hoffe sehr, dies alles noch oft erleben zu können. Aber das geht nur über unseren Arbeitskreis, da dort die entsprechenden Kontakte mit den Senioren bestehen bzw. hergestellt werden können. Wie soll denn eine einzelne Person befruchtende Kontakte finden? Es gibt ja in den osteuropäischen Ländern so viele Wissenschaftler, Schriftsteller  usw., aber sie sind mir doch unbekannt, obwohl ich in letzter Zeit durch die Danube-Networkers vermehrt Bücher von Osteuropäern lese.

 

Aber trotz allem guten Willen und Interesse an fremden Kulturen ist und bleibt die Sprache ein riesiges Problem, man benötigt meist die Hilfe von Übersetzern.




Organisation
ZAWiW Ulm
Date
27.10.2009
Category
Intercultural


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