Danube-Networkers

Fischen am "Eisernen Vorhang"

Text: Veronika Schnablegger, Gerti Zupanich

Bilder: Christoph Pöltl



Wer kann besser über die Donau, ihre Umwelt und das damit verbundene gesellschaftliche Leben Bescheid wissen, als Menschen, die berufs- oder hobbymäßig unendlich viel Zeit an ihren Ufern verbringen? Unser Thema „Fischerei einst und jetzt", sehen wir als typisch für den Donauraum an. Wir müssen allerdings feststellen, dass Fischen als Beruf fast gänzlich ausgestorben und jetzt zum Freizeitsport geworden ist. Uns interessieren die Hintergründe, die dafür verantwortlich sind, die eine so gravierende Veränderung ausgelöst haben.

 

Diesmal haben wir uns die Stadt Hainburg a/d. Donau ausgewählt, auch wegen ihrer Nähe zum einstigen „Eisernen Vorhanges". Flüsse, wie die Donau, stellen nicht nur Verbindendes zu anderen Ländern dar, sondern, sind wie hier, oft Grenzgebiet.


Wir haben bei unseren Recherchen Hrn. Ing. Brenner, heute 84 Jahre, gefunden, aus dessen reichen Erfahrungsschatz wir Wissenswertes zu erfahren hofften.

 

 

Interview mit Herrn Ing. Brenner, Hainburg, 13. Juli 2009.

Herr Ing. Brenner war langjähriger Obmann des Hainburger Fischereivereines. Wir treffen ihn im Donaurestaurant „Goldener Anker", seinem Elternhaus. Es steht nur wenige Meter von der Donau entfernt. Die Gelsen (Stechmücken) freuen sich über das frische Blut von uns WienerInnen.

 

Hr. Brenner:

„Wo habt's ihr euren Fragenkatalog?"


Veronika und Gerti erklären das Danube-Networker - Projekt. Einen Fragenkatalog gibt es nicht, und sie betonen, dass sie über vergangene Zeiten in Hainburg plaudern wollen, wie z.B. über die Besatzungszeit durch die sowjetischen Soldaten, und als die Stadt wegen ihrer Nähe zur tschechoslowakischen Grenze Ausflugsziel war (heute slowakische Grenze). Und, ob er aus dem Erfahrungsschatz seiner Tätigkeit beim Fischereiverein erzählen könnte?

 

 

Hr. Brenner:

„Die Grenze zur heutigen Slowakei war mitten im Fluss, und dort vorne, wo die March in die Donau fließt. Zur Zeit des „Eisernen Vorhangs" sind dort die Patrouillenboote gefahren, auch in der March. Für uns Hainburger war das wenig interessant. Nur für die Fremden (Ausflügler) war das eine Sensation. Schulklassen sind dort oben am Berg gestanden und haben in die Tschechoslowakei rübergeschaut."

 

 

Veronika und Gerti:

„Und die russische Besatzung, war das ein Problem?"

 

 

Hr. Brenner:

„Also, da im „Goldenen Anker", meinem Elternhaus, waren die Offiziere einquartiert, auch eine Ärztin. Mein Vater hat ganz schnell Russisch gelernt und konnte sogar dolmetschen. Probleme haben wir eigentlich keine gehabt, es waren ja Offiziere. Im Gegenteil, wir waren gut versorgt, weil die Russen auf der Jagd waren und wir dann Wild im Haus hatten. Fischen mit Handgranaten war bei den Soldaten üblich, geht ja viel g'schwinder." (Schneller)

 


Veronika und Gerti:

„ ...später dann, als sie abgezogen waren, wie war das mit der Fischerei?"

 

 

Hr. Brenner:

„Ja der Fischereiverein, der ist mein Lebenswerk! Ich habe wirklich viel gemacht. Da gab es einen Altarm der Donau der zum Schrottabladeplatz geworden ist. Dort wollten's alles zuschütten und bauen. Wir haben das Projekt „Wörth-Arm" gestartet, könnt ihr alles da in den Ordnern finden. Ich habe ganz gute Beziehungen zu den Politikern gehabt und mich auch getraut, was zu sagen. Heute ist der „Wörth-Arm" ein sauberes Fischgewässer und keine Mülldeponie mehr. Wie dann der Nationalpark gekommen ist, hat es starke Einschränkungen für die Fischerei gegeben. Auch heute gibt's noch Projekte für die Sanierung der Nebenarme. Derzeit geht da nichts weiter.

Berufsfischer gibt es schon lange nicht mehr, sind ja keine oder nur kleine Fische in der Donau und in den Nebenarmen, die sich gebildet haben. Aber mir liegen sowieso die Angler mehr, weil sie nicht alles leerfischen und sich um den Fischbestand kümmern. Beim „Daubelfischen" (1) -  ist mit großen Netzen gefangen worden. Macht aber niemand mehr so. Ich glaube, in Wolfsthal gab es einen Berufsfischer, der mit Booten und Netzen nachts gefischt hat. Der machte sich die Schlafgewohnheiten der Fische zunutze, die abends  ans ruhige Ufer kommen. Mit langen Fangnetzen - haben einen speziellen Namen - Sägen oder so ähnlich - hat er die Fische förmlich abgeräumt,  in Bottiche geleert und sie dann verkauft.

 

 

Christoph macht Fotos während unseres Gespräches. Dann ersuchen wir Hrn. Brenner, uns etwas über vormalige Hochwasser zu erzählen und gehen zur sichtlich neu angelegten Uferpromenade. Oberhalb von uns, auf steinernen Viadukten, donnert die Schnellbahn über uns hinweg.

 

 

Hr. Brenner:

 „Die Bahn gibt es seit 1884/85, fuhr von Bruck bis nach Hainburg", sagt Hrn. Brenner. „Zwischen den Streben der Bahn konnten die Spalten mit Schiebetüren geschlossen werden. Heute setzen's vorgefertigte Platten ein. Da kommt kein Hochwasser durch. Hier an dem Wachthäuschen sieht man die Pegelstände der Donau bei Hochwasser. Die Höchstmarke war 2002 mit 9,54m. Drinnen war früher eine Walze zum Ablesen. Heute machen's es ganz anders, moderner halt.

Früher war da keine Uferpromenade und kein Radweg, nur halt ein Ufer. Trotzdem war es ein beliebter Treffpunkt der HainburgerInnen am Abend. Vor allem für die Jugend. Da ist viel im Freien gefeiert worden".

„Ja die Zeiten haben sich verändert. Es gibt viel weniger Fische und deswegen ist ein Vorschlag vom Land gekommen, wir sollten weniger Mitglieder in den Fischereiverein aufnehmen. Doch wir fischen ja nicht nur, wir tun auch was für die Umwelt. Kleine Fische werden von Anglern wieder ins Wasser geworfen. Nicht wir haben die Donau leer gefischt. Es gibt viele Gründe dafür. Einer  ist der Bau der vielen Kläranlagen. Daher kommt mit dem Abwasser weniger Abfall als Fischfutter in die Donau."

 


Hr. Brenner muss weg, lässt uns seine beiden Ordner der Erinnerungen da. Wir dürfen wiederkommen, wenn wir noch was wissen wollen.

 

 

(1) Daubelfischen ist eine spezielle Art des Fischens. Stellnetze - Daubeln - werden von einem festen Platz (Fischerhaus, Boot, etc.) ins Wasser gesenkt und von Zeit zu Zeit hochgehoben, um die Fische aus den Netzen zu nehmen. Heute diese Fangart selten geworden. Auf der Donauinsel bei Wien ist sie noch zusehen.

 




Organisation
VHS Ottakring/Hernals
Date
06.10.2009
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