Danube-Networkers
Retter der Donau-Rollfähre
Text: Ivan Kajgana, Wolfgang Sator
Video: Christoph Pöltl
Ein Interview mit dem Fährmann
Ein schöner Spaziergang oder eine Radfahrt von Wien donauaufwärts führt zur Rollfähre zwischen Klosterneuburg und Korneuburg, die als Transportmittel zwischen beiden Donauufern eingerichtet ist.
Die Fähre hat eine Tragkraft von 160 Personen oder vier PKWs und wird vor allem von Radfahrern gerne genutzt, um an die andere Donauseite zu gelangen. Sie wurde 1894 als 'Fliegende Brücke' eröffnet und 1935 zur Rollfähre umgestaltet. Als der Fährbetrieb 1990 eingestellt wurde und die Demontage drohte, engagierte sich Herr Ing. Prinz und kaufte die Fähre. Gemeinsam mit einigen Arbeitslosen setzte er die Fähre wieder instand und eröffnete erneut den Fährbetrieb.
Herr Dipl. Ing. Prinz gilt somit als der "Retter" der Donaufähre.
Er selbst betrachtete seine Aktivität damals als für beendet, doch der Donaustrom und die Fähre faszinierten den rührigen Ingenieur weiterhin so sehr, dass er der Fähre treu blieb und als der bekannteste Fährmann der Donau berühmt wurde. Mit fast 80 Jahren beendete er erst 2008 seine Tätigkeit. Herr Ing. Prinz ist aber noch oft bei der Fähre anzutreffen und wird von den Fahrgästen mit großer Herzlichkeit als alter Bekannter begrüßt.
Jetzt gab er uns ein Interview und erzählte uns zuerst von den technisch-historischen Fakten des Fährbetriebs: "Ursprünglich war die Fähre eine 'Fliegende Brücke', bei der das Seil im Wasser der Donau gelegen ist, was ja für die Schifffahrt eine Behinderung darstellte, da das Gierseil den Schiffen den Weg versperrte. Erst in den 30er Jahren konnte man so starke Stahlseile verwenden, dass man die Konstruktion veränderte. Am linken und rechten Donauufer wurden hohe Maste errichtet, die ein Hochseil tragen, das nach dem Gierprinzip arbeitet. Eine Laufkatze führt die Fähre über dieses Hochseil zwischen den beiden Ufern. Ab 1935 wurde daher die Schifffahrt nicht mehr behindert."
Herr Ing. Prinz meinte zu der Lage der Fähre zwischen den beiden Städten: "Die Verkehrsader zwischen Klosterneuburg und Korneuburg war immer wirtschaftlich angespannt, da jede Stadt darauf achtete, durch den Betrieb der Fähre keine Nachteile im Geschäftsverkehr zu erfahren bzw. einen Vorteil vor der Konkurrenzstadt zu erreichen. Der Zwist besteht bis heute", schmunzelte der Fährmann verschmitzt.
Auf die Frage, wie er mit der heutigen Situation zurechtkomme, sprach Herr Ing. Prinz überzeugend: "Ich muss mich selbstverständlich zurücknehmen, mein Alter ist doch recht fortgeschritten. Ich bin aber sehr stolz darauf, dieses Kleinod gerettet zu haben. Die Fähre ist sehr wichtig für den regionalen Tourismus und den kleinen Wirtschaftsverkehr. Ganz besonders froh bin ich, dass ich einen tüchtigen jungen Nachfolger gefunden habe, der den Fährbetrieb in meinem Sinne weiterführt."
Wir sagen dem "Retter" der Fähre herzlichen Dank für dieses Interview.


