Danube-Networkers

Interview mit Elisabeth M. (Aubesetzung Hainburg Teil 1)

Interviews: Veronika Schnablegger, Gerti Zupanich

Videos: Christoph Pöltl



Rettung einer Donauau, Hainburg 1984

 

Der Name „Aubesetzung Hainburg" bleibt auch 25 Jahre danach ein Synonym für Naturschutz und gegen Zerstörung eines Donau-Augebietes.

 

Umweltschutz und Müllvermeidung waren in der breiten Öffentlichkeit bis dahin kein Thema. Die Ressourcen schienen unerschöpflich zu sein, und was man der Natur entnahm, wurde ihr als Müll zurückgegeben. Stauwerke und Regulierungen entlang der Donau zerstörten die meisten der Au-Landschaften. Aus 1952 stammte ein Plan, fast vergessen von der Öffentlichkeit: auf dem letzten Abschnitt der Lobau (Augebiet bei Wien) bis zur slowakischen Grenze (Hainburg), sollte ein Kraftwerksbau umgesetzt werden. Er sollte möglichst unbemerkt in Bau gehen. Die Maschinen für die Rodungen standen im Spätherbst 1984 schon mitten in der Au.

 

Doch PionierInnen des Umweltschutzes formierten sich zu Bürgerinitiativen, die gegen die Errichtung des Kraftwerkes protestierten. Der WWF hatte seit 1982 einen Umweltschutzplan bereit.

 

Aufmerksamkeit erregte eine „Pressekonferenz der Tiere", wo sich prominente Personen als Tiere verkleideten (Auhirsch, Rotkehlchen, ...) und dann über Wiens bekanntesten Platz zogen. Über so ein medienwirksames Ereignis ließ sich gut berichten. Das Interesse der Öffentlichkeit stieg.

 

Die niederösterreichische Landesregierung bewilligte trotzdem den Beginn der Rodungsarbeiten. Waren es zunächst nur einige hundert NaturschützInnen gewesen, die in die Lobau zogen, bekam der Widerstand gegen die Zerstörung der Natur plötzlich eine Eigendynamik. Immer mehr Menschen fanden sich zusammen und zogen trotz Kälte in das Augebiet um ihren Protest zum Ausdruck zu bringen, oder einfach nur den DemonstrantInnen warme Kleidung oder Essen zu bringen. Der erste Erfolg war ein „Weihnachtsfrieden". Messen wurden in der Au gelesen. Letztendlich wurde der Plan eines Kraftwerkbaues fallen gelassen.

 

Der Weg war frei für den „Nationalpark Donauauen".

 

 

Veronika und Gerti fanden, dass dieses zivile Engagement, die Zerstörung eines Naturraumes der Donau zu verhindern, einen besonderen Stellenwert in unserem Danube-Networkers-Projekt bekommen sollte und sprachen mit zwei ZeitzeugInnen.

Bei unserem Interview sitzen wir und die ZeitzeugInnen, Elisabeth und Wolfgang, in dem nur Insidern bekannten „Knusperhäuschen", mitten im dichtesten Augebiet. Gleich daneben die „Dechantlacke", ein versteckt liegendes Gewässer, umgeben von wild wachsendem Gestrüpp und vermodernden Baumstämmen. Diese Idylle würde nicht mehr existieren, wenn es 1984 nicht so heftigen Widerstand gegen die Zerstörung dieses natürlichen Donauraumes gegeben hätte.

 

Christoph filmt mit der Videokamera, Veronika und Gerti fragen, in welcher Form die Beteiligung bestand und was ihre persönlichen Beweggründe dafür waren. Ferner, warum sie glauben, dass dieser - letztendlich erfolgreiche Einsatz für die Natur - eine wichtige und nachhaltige Sache war, die zum Umdenken der Gesellschaft beigetragen hat?

Einige Auszüge aus dem Interview:

 

Elisabeth:

„Die Berichterstattung war ja so, dass man glauben musste, nur Anarchisten ziehen  in die Au, um zu protestieren. Doch es waren ganz unterschiedliche, auch bürgerliche Menschengruppen, die sich formierten und für die Natur eintraten. Mich bewegt noch heute das Gefühl, dass wir gemeinsam  was z'samm bracht haben..."


„...Elternvereine, KünstlerInnen haben warme Decken, Pudelhauben (warme Strickmützen), Vitamine vom Rudolfsspital zu sammeln begonnen und es den AubesetzerInnen gebracht. Dem Sinowatz (Bundeskanzler zu dieser Zeit) ist es nicht gut gegangen..."


„... es war zwar ein wenig Abenteuer dabei, Kälte, Polizeieinsatz, Menschen die sich an Bäume ketten ließen, aber es hat mit aktivem Leben zu tun ..."


„Gerade jetzt, wo uns eine Krise einholt, sollten wir wieder daran denken: Bitte, achtet auf die Natur, es lohnt sich!"




Organisation
VHS Ottakring/Hernals
Date
06.10.2009
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