Danube-Networkers

Interview mit Roland Maier

Interview: Monika Pfiszter und Paula Schweinberger

Bilder: Brigitte und Michel Nguyen-Duong



Vorstellung


Herr Maier ist ehrenamtlicher Naturschützer in den Funktionen eines Umweltbeauftragten der Ulmer Naturfreunde und eines Naturschutzwarts bei der Stadt Ulm. Die Tageszeitung berichtet immer wieder über seine Aktivitäten; er hält Vorträge und leitet Führungen in der Natur, er fotografiert in der Natur an der Donau. Herr Maier durfte im Verlauf seiner späteren Tätigkeit zwei Auszeichnungen erfahren: einmal durch den Alb - Donau - Kreis im Zusammenhang mit der  Wiederansiedlungs-Maßnahme der Fluss-Seeschwalbe an Donau und Riss, das war 2000; dann ein paar Jahre später das Ulmer Band der Stadt Ulm  für Verdienste im Natur- und Artenschutz.

 

 

 

Wie kamen Sie zu Ihrem Engagement für den Naturschutz und was bewegt Sie speziell an der Donau?

 

 

Ich habe als Kind wohl schon eine Neigung gehabt, viel in der Natur zu sein. In Söflingen habe ich im Rehbrünnele mit Freunden gespielt und ich war auch im Söflinger Ried an den Tümpeln damals zu Hause, wo wir eine heute kaum mehr mögliche Begegnung mit dem Laubfrosch hatten, der ja hier im Ulmer Raum im Aussterben begriffen ist. Später hatte ich durch meinen Vater Zugang zu den Ulmer Naturfreunden, da war ich gerade15 Jahre alt. Das Fußballspielen habe ich  dann an den Nagel gehängt und war mit Freunden unterwegs beim Zelten, Radfahren, Wandern, Bergsteigen und auch bei naturkundlichen Exkursionen. Im Zuge dieser Entwicklung habe  ich dann auch mit älteren Naturfreunden Wanderungen gemacht in der Region der nahen Donau, vor allem an die Donaustauseen bis Öpfingen hinauf, heute anerkannt bedeutende Gebiete, insbesondere für die Vogelwelt.

 


Wieviel Zeit setzen Sie für Ihre Aufgaben ein, was sehen Sie dabei als Ihre Erfolge an, wo liegen Probleme und Streitigkeiten?

 

Darüber habe ich mir auch Gedanken gemacht, schwer zu sagen - wenn ich aber alles rechne, wobei auch das Angenehme, das sich Beschäftigen mit der Natur, mit dabei ist. Wenn man  Beobachtungen und Kontrollen miteinander verbindet, ich denke, da kommen ca. 600 Stunden im Jahr zusammen. Sie müssen ja auch Stellungnahmen machen zu Eingriffen in der Natur und zu Entwicklungen, da ist es unerlässlich, dass Sie diese Landschaften mit ihrem „Mobiliar" intensiver studieren.

Erfolg und Nicht-Erfolg wechseln sich natürlich ständig ab. Also einige große Erfolge möchte ich aufzählen und zwar bereits in den 60er Jahren mit meinem Freund Kurt Spinnenhirn, der damals SPD- Gemeinderat war. Da hatten wir den Antrag an die Stadt Ulm gestellt, die Gronne, dieses Stillwasser-Reservoir, zum Naturschutzgebiet zu erheben. Das ist im Dezember 1972 per Verordnung dann auch geschehen. Dies ist bis heute das einzige Naturschutzgebiet in unserem Raum. Ein Lichtbildervortrag in Vorbereitung des Naturschutzgebietes zeigte die Vogelwelt des Ulmer Raums und die interessante Pflanzen- und Tierwelt.

Ein weiterer Erfolg war die Wiederansiedlung der zuvor reichlich vorhandenen Vogelart, der Fluss-Seeschwalbe. Sie galt als  verschollen und ausgestorben und wurde von uns ab 1996 wieder mit zunehmendem Erfolg angesiedelt. Sie steht noch heute auf der roten Liste. Im letzten Jahr hatten wir  im Gebiet insgesamt 14 Brutpaare dieser Vogelart. Das wird dann bis hinein ins Regierungspräsidium registriert; es hat also eine überregionale Bedeutung, was wir  mit unseren Mitarbeitern geleistet haben.

Wir möchten zweifellos noch mehr Refugien für die Natur haben, in dieser Hinsicht habe ich gewirkt und die Stadt hat es registriert. Es ist schwierig wegen der Liegenschafts-Frage. Die Stadt Ulm muss Markungsflächen ankaufen und in solchen Zellen die Natur regenerieren. Die Stadt tut etwas, aber zuwenig. Das muss die Gemeinschaft leisten, das können wir nicht einem einzelnen Landwirt draußen zumuten, denn die Natur in unseren intensiv landwirtschaftlich genutzten Gebieten liegt sehr im Argen.

Direkte Widersacher habe ich in dieser Frage nicht, es ist natürlich die Trägheit und wie man die Entwicklungen gewichten soll im Hinblick auf Siedlungsfragen, urbane Entwicklung, Strassen. Die intensive Landwirtschaft scheint es erforderlich zu machen, dass jeder sich an sein Stück Boden klammert, um sein Auskommen zu sichern. Da haben die Bauern auch ein gewisses berechtigtes Anliegen. Aber drum meine ich, die Stadt muss im Lauf der Zeit versuchen, Flächen in Besitz zu bekommen.

 

 

Welcher Personenkreis interessiert sich außer Ihnen für dieses Thema, wie geben Sie Ihr Wissen weiter? Dürfen wir 2-3 Ihrer Lieblingsbilder in diesem Interview verwenden?

 

Insbesondere bei den Naturfreunden gibt es einen größeren Interessenkreis; aber es gibt auch andere Organisationen in Ulm, die ähnliches machen z. B. den Nabu oder den Schwäbischen Albverein.

Ich bin selbst in verschiedenen anderen Gremien, wo ich für meine Anliegen streite, in der Agenda Ulm oder in der Umweltinitiative der anerkannten Naturschutzverbände, und es gibt einen Arbeitskreis Naturschutz bei der Stadt Ulm, wo wir unser Anliegen einbringen können. Und dann bin ich ja noch als Naturschutzwart unterwegs. Wir versuchen unser Bestmögliches zu erreichen. Ich habe ja schon in den 60er Jahren Vorträge gehalten, heute noch mehr, nicht nur in diesen Themenbereichen. Gelegentlich bin ich im Stadthaus und in der Volkshochschule mit einem öffentlichen Vortrag über Natur- und Artenschutzfragen unterwegs oder auch in meinem Verein. Die Öffentlichkeit, das möchte ich sagen, die kann man schwer in Massen bewegen.

 

 

Wer unterstützt Sie bereits jetzt, wer sind Ihre Mitstreiter? Wo finden Sie ein Forum für Ihre Anliegen?

 

Die Mitstreiter finde ich natürlich in meiner Organisation der Ulmer Naturfreunde. In vielen Bereichen, wo eine politisch klare Gemengelage ist, bekommen wir auch von der Stadt Ulm Zuspruch und Unterstützung. Das will ich durchaus anerkennen. Und seit die Stadt Ulm seit einigen Jahren eine anerkannte Naturschutzfachkraft beschäftigt, wird einiges aufgearbeitet, was über Jahrzehnte in Ulm im Naturschutz liegen blieb, das ist eine günstige Entwicklung. Davon profitiert die Natur zweifellos, es unterstützt auch unsere Arbeit.

Sie haben Bilder mitgebracht, die Sie selbst aufgenommen haben, was können Sie uns dazu sagen?
Ich will zwei Räume an der Donau ansprechen: die Stadt-Donau, an der ich mich sehr viel aufhalte und von der ich meine, dass sie der Stadtbevölkerung eine hervorragende Möglichkeit für Naturerlebnisse gibt. Abgesehen von den verschiedenen Hochwassersituationen haben wir dort an der Stadtmauer eine interessante Pflanzenwelt, wie z. B. das Mauerblümchen.

Natürlich auch eine Menge von Vogelarten, die im Wechsel der Jahreszeiten hier auftreten.

Ein Bild zeigt das grünfüßige Teichhuhn, eine bedrohte Art. Die Tatsache, dass das abgebrannte Event- Schiff zurzeit nicht benutzt wird, hat das Tier dazu bewogen, wie auf einer Insel dort zu brüten. Es hat dieses 6er Gelege bebrütet, leider erfolglos. Eine weitere bedrohte Art ist der Drossel-Rohrsänger, ein Zugvogel, im Naturschutzgebiet leider nicht mehr heimisch. Er war ein hervorragender Sänger. Ein Vogel, von dem Sie schon viel gehört haben, ist der Eisvogel, inzwischen als Brutvogel leider nur noch sehr selten in unserer Region. Schuld daran ist die Veränderung unserer Gewässerlandschaft.

Mit diesen Bildern wollte ich Ihnen einen Einblick geben in die Erlebnispotentiale hier an der Donau.

 


Was wünschen Sie sich für die Zukunft,  wer sollte Ihre Aufgaben unterstützen und wie?

 

Der Zuspruch der Bevölkerung sollte stärker werden, nur so besteht die Chance, etwas zu bewegen. Ich hoffe auch, dass die Stadt Ulm stärker renaturieren wird, als sie es heute tut. Wir sind der Natur die Wiedergutmachung schuldig. Über die Siedlungspolitik sollte neu nachgedacht werden, weil wir uns aus verschiedenen Gründen, z. B. der Bevölkerungsentwicklung, der  sozialen Situation oder der Verschuldung der Haushalte zurücknehmen können. Das käme der Natur zugute. Ich denke da ganz besonders an Bereiche im Westen der Stadt Ulm, die auch für das Klima  als Frischluftschneisen  relevant sind  z. B. die „Kohlplatte" im Harthauser Tal und die „Lange Weidach". Beide Fluren sind wunderbare Landschaften. Ich hoffe, die Stadt Ulm kann sich dazu durchringen, von einer Besiedlung dieser Flächen  Abstand zu nehmen. Ich glaube nicht, dass wir sie in Zukunft noch brauchen.

 




Organisation
ZAWiW Ulm
Date
30.09.2009
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