Danube-Networkers
Interview mit Dr. Wolfgang Trips
Interview: Hannelore Bürgers und Marlene Faul
Foto: Marlene Faul
Interview mit Dr. W. Trips, dem Autor des Buches „Das Ordinarischiff"
Das Buch „Das Ordinarischiff" erschien 2006. Der Autor Dr. Wolfgang Trips (Jahrgang 1958) hat seinen eigentlichen Beruf als Zahnarzt im Jahr 2000 an den Nagel gehängt und arbeitet seitdem als freiberuflicher Fachübersetzer und Schriftsteller.
Es handelt sich um einen historischen Roman über die Donauschiffahrt, der im 18. Jahrhundert spielt, der mit einer Liebesgeschichte durchwoben ist und in hervorragender Weise das Leben und Treiben der damaligen Zeit zeigt. Doch insbesondere wird der Bau der Schiffe und der wirtschaftliche Faktor der „Ordinarischiffe" erklärt.
Wir riefen bei Dr. Trips in Illertissen an und verabredeten uns mit ihm zu einem Gespräch im Fischerviertel.
Wie kamen Sie auf die Idee ein Buch über die „Ordinarischiffe" zu schreiben?
Die Idee zu dem Roman kam allmählich, bedingt durch Freunde, die auf der kleinen „Schachtel Elchingen" fuhren.
Woher kommt der Name „Schachtel"?
„Schachtel" ist der Spottname für die Schiffe, die seit dem 16. Jahrhundert in Ulm gebaut und regelmäßig bis zur Einführung der Eisenbahn donauabwärts fuhren. Es waren primitive „Einwegschiffe" ohne Kiel. Der Spottname entstand am Neckar, dort war man elegantere Schiffe gewohnt.
Die Boote erreichten Größen bis zu 30 m Länge und 7,5 m Breite und hatten ein Ladevermögen von rund zwei Tonnen. Die Fahrt bis nach Wien dauerte je nach Wasserstand 8 bis 14 Tage. Für eine Rückfahrt war die Donau viel zu reißend. Am Ziel (Regensburg, Passau, Linz, Wien, Budapest und Belgrad) wurden die Schiffe zerlegt und als Brenn- und Baumaterial verkauft. Es wurden Waren und Menschen transportiert. Der offizielle Name ist „Ordinarischiff", weil die Schiffe regelmäßig nach Fahrplan fuhren.
Das größte Ereignis für die Ulmer war die Fahrt des Kaiserpaares Franz I. und Maria Theresia im Jahr 1745. In knapp drei Wochen wurden 32 Schiffe für sie gebaut.
Wo wurden die Schiffe gebaut?
Die Schiffe wurden auf der heutigen Neu-Ulmer-Seite auf dem sogenannten Schopperplatz gebaut (schoppen = stopfen). Frauen stopften die Fugen der Holzschiffe mit trockenem Moos aus. Kaum hatte ein „Ordinarischiff" Ulm verlassen, wurde mit dem Bau eines neuen Schiffes begonnen.
Welche Recherchen haben Sie gemacht?
Die Recherchen bezogen sich vor allem auf den Bau der Schiffe und auf die Fahrten auf der Donau. Die Liebesgeschichte im Fischerviertel ist frei erfunden. Ich hatte keine Gespräche mit den heutigen Bewohnern im Fischerviertel. Nach meinem ersten Roman „Die Offizin" wurde nach mehr Herz/Schmerz verlangt.
Wie ist der Prozentsatz von Wahrheit und Dichtung?
Dies kann ich nicht definieren.
Welche Resonanz haben Sie auf das Buch bekommen?
Die Resonanzen waren nur positiv.



