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Interview mit Herrn Heinzmann, "Hirzbauernhof"

Text: Christl und Heinz Pfeiffer



Christl und ich haben heute einen einwöchigen Kurzurlaub in Herrischried / Südschwarzwald  zum Anlaß genommen, Herrn Heinzmann, den Besitzer des Hirzbauernhofes, und somit auch der Brigachquelle, auf seinem Hof zu besuchen. Zuvor hatten wir mit ihm Kontakt aufgenommen und den Termin vereinbart.

 

Herr Heinzmann, Sie sind der Besitzer des Hirzbauernhofes. Im Keller Ihres Wohnhauses entspringt die Brigach. Was wissen Sie über die Geschichte dieser Quelle?

 

( Bild 1)

 

Ich fürchte, da kann ich Ihnen nicht viel weiterhelfen. Der erste schriftliche Nachweis von diesem Hof stammt aus dem Jahre 1540. Es ist ein Übergabevertrag an den damaligen Besitzer und vermutlichen Gründer des Hofes. Die Urkunde wird im Landesarchiv in Karlsruhe aufbewahrt.

Über die Quelle selbst gibt es keine Aufzeichnungen. Allerdings hat mein Urgroßvater bei Umbauarbeiten am Wohnhaus eine in Stein gemeißelte Figur gefunden, die von Archäologen als keltische Kultfigur identifiziert wurde, was darauf schließen läßt, daß es sich bei der Brigachquelle um ein Quellenheiligtum der Kelten handelt.

 

(Bild 2)

 

 

Haben die Römer keine Spuren an der Quelle hinterlassen?

 

Alles was ich Ihnen hierüber berichten kann, ist von einem Besuch des Kaisers Tiberius aus dem Jahre 35 n.Chr., der in unserer Gegend die Quellen der Donau suchte.

 

 

Also wußten die alten Römer schon, daß es für die Donau keine eindeutig identifizierbare Quelle gab!

 

Es sieht so aus.

 


Dem Übergabevertrag  aus dem Jahre 1540 muß eine Besiedlung im unteren Teil des Tales vorausgegangen sein. Wir dürfen den Hirzbauernhof nicht ohne Anbindung an einen größeren Lebensraum sehen.

 

Das ist richtig. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes Brigach stammt aus dem Jahre 1337, die von Sommerau, heute zu Brigach gehörig, von 1282. Der älteste Hof in Brigach wurde 1365 erbaut, d.h. fast 200 Jahre vor dem Hirzbauernhof.

 


Demnach können wir von einer frühen Besiedlung des Brigachtales sprechen. Wann taucht in diesem Zusammenhang zum ersten Mal der Name Ihrer Familie auf?

 

Im Jahre 1804 hat einer meiner Vorfahren den Hof gekauft. Seitdem ist er im Besitz unserer Familie.

 


Wau! Das sind über 200 Jahre. Und wie sehen Sie die Zukunft?  

 

Da wird es schwierig. Ich habe vier Kinder, und im Augenblick sieht es nicht danach aus, als ob eines davon den Hof übernehmen würde.

 

 

Aber so ein Familienerbe läßt man doch nicht so mir nichts dir nichts vor die Hunde gehen. Gerade als Bio-Bauer müßten Sie heute eine Zukunft haben.

 

Das sagen Sie so daher. Die Wirklichkeit sieht leider anders aus. Als Vollerwerbs-Landwirt könnte ich mit meinen Bioprodukten  -  wir haben 35 Milchkühe  -  heute meine sechsköpfige Familie nicht ernähren, wenn wir nicht noch vier Ferienwohnungen zu vermieten hätten.

Meine vier Kinder haben alle eine abgeschlossene Berufsausbildung und können von ihrem Beruf leben, was mir unter den gegebenen Bedingungen schwer fällt. Außerdem, auf über 1000 Meter Meereshöhe haben sie in der Landwirtschaft außer Viehzucht nicht viele Möglichkeiten.

 

 

A propos Ferienwohnungen! Draußen um das Wohnhaus herum sehe ich einen Kinderspielplatz um den Sie die meisten Kindergärten im Land beneiden würden. Dazu Tische und Bänke für Ihre Gäste. Und alles aus Holz! Haben Sie das alles selbst gezimmert.

 

Ja! Ich finde unsere Feriengäste sollen sich bei uns wohl fühlen. Dazu gehört auch, daß junge Familien mit Kindern und kleinem Geldbeutel zu uns kommen.

 

 

Um noch einmal auf die Erbfolge zurückzukommen. Gab es früher nicht auch schon Probleme damit?

 

Wir im Brigachtal kannten keine Erbteilung. Es konnte immer nur eines der Kinder den Hof erben. Andererseits konnte ein Hof, je nach Größe, nur eine bestimmte Zahl an Menschen ernähren. Diejenigen, die zuviel waren, mußten sich anderswo nach Arbeit umsehen. Vor allem im 19. Jahrhundert sind deshalb viele meiner Vorfahren nach Amerika, Kanada, usw. ausgewandert.

 

 

Aus schierer Not?

 

Aus schierer Not!

 

 

Welche Bedeutung hat die Quelle für Sie heute?

 

Gar keine!

 


Das verstehe ich nicht. Sie haben von staatlicher Seite in Bezug auf die Quelle keinerlei Auflagen zu Erfüllen?

 

Nein. Sehen Sie, die Wasserversorgung für den gesamten Hof kommt aus der Quelle 100 m unterhalb des Hofes bei der alten Mühle, wo Sie das Mühlrad sehen. Dort haben meine Vorfahren früher Getreide gemahlen. 

 

(Bild 3)

 

 

Welches sie kaufen mussten?

 

Ja.

 

 

Dort befindet sich auch eine der vier Ferienwohnungen?

 

Genau.

 

 

Kann man sagen, dass die Quelle einzig eine touristische Attraktion darstellt, die für Sie von keinem wirtschaftlichen Nutzen ist?

 

Richtig. Und manchmal können die Touristen auch hinderlich sein.

 

 

Vor allem wenn sie dann auch noch Interviews von Ihnen wollen.

 

Das haben Sie gesagt. Ich unterhalte mich gerne mit Ihnen.

 

 

Dann möchten wir uns an dieser Stelle ganz herzlich bei Ihnen bedanken, daß Sie sich für uns so viel Zeit genommen haben. Zum Abschluß noch eine Frage. Welche Bedeutung hat für Sie als Landwirt die Erweiterung der EU? Fühlen Sie sich dadurch in Ihrer Existenz bedroht?

 

Die landwirtschaftlichen Betriebe in den anderen EU-Staaten sind für uns keine Bedrohung. Als bedrohlich empfinde ich die Art und Weise, wie bei uns EU-Bestimmungen umgesetzt werden. Immer mehr Regeln und noch mehr Regeln und noch mehr Bürokratie und noch mehr Auflagen!!! Unsere Probleme sind deutschgemacht.

 




Organisation
ZAWiW Ulm
Date
11.08.2009
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