Danube-Networkers

Interview mit Konstantin Kopin

Gespräch geführt und aufgeschrieben von PhDr. Nadežda Hrapková, PhD



Interview mit dem Donau-Schiffskapitän Herrn Konstantin Kopin

Wie ist Ihre positive Beziehung zum Wasser entstanden?

 

Geboren bin ich im Jahr 1933 in Užhorod. Wir wohnten in einem kleinen Dorf beim Fluß Uh. Auf diesem kleinen Fluß hatten wir unser eigenes kleines Boot und dabei hat uns unser Vater schwimmen so gelernt, daß er uns ins tiefste Wasser reingeworfen hat. Wahrscheinlich war das gerade meine Inspiration, daß die Schifffahrt und Schiffe mein ersehnter Traum schon seit der frühsten Kindheit geworden ist. Es war die Sehnsucht, die weite Welt kennenzulernen. Es war Kriegszeit und nach dem Krieg wurden die Grenze geschlossen, es gab wenige Informationen und noch weniger Möglichkeiten eine Marineakademie im Ausland zu besuchen. Daher war ich erfreut, als im Jahr 1949 die Möglichkeit, zur Binnenschifffahrt zu kommen, entstanden ist, zur Tschechoslowakischen Donauschifffahrt in Bratislava. Diese hat die Schifffahrt in ganzem Gebiet des Donauflußes, vom Regensburg in Deutschland bis zum Schwarzen Meer, in einer Länge von 2.000 Km betrieben.

 


Wie war damals die Vorbereitung zum Beruf des Schiffers?

 

Der Schifffahrtsbetrieb Československá plavba dunajská (ČSPD) hat damals eine Schule für den Nachwuchs gegründet, in welcher der künftige Schiffskader des Betriebes erzogen werden sollte. Es war keine Hochschule, denn für die Binnenschifffahrt werden keine große Ansprüche für die Navigation gestellt, auch wenn die Grundfächer Mathematik, Astronomie und weitere Wissensgebiete waren. In der Flußfahrt, bei welcher man beide Ufer sehen kann, besteht die Grundausbildung aus der praktischen Tätigkeit in der detaillierten Kenntniss des ganzen Flußbettes, der Konfiguration des Flußes und des gefährlichen Schifffahrtsgebietes. Selbstverständlich große Bedeutung hat man auf Schiffsgeographie, Schiffskunde, Warenkunde, Fremdsprachenkenntnisse, das Prinzip des Beladens und Entladen des Schiffes gelegt.

 

Ich war von so einem schönen und edlem Beruf ganz begeistert. In der Schifffahrt ist es wichtig, und es wird darauf hingewiesen, daß jeder Kadett in allen Bereichen und Funktionen arbeiten muß, d.h. als Schiffsjunge beginnend. Genauso habe ich die Arbeit eines Schiffsjungen auf dem Schiff mit einem Einzelantrieb und auch auf einem Boot ohne eigenen Antrieb erlebt. Hier lernt der Schiffsjunge, das Schiff so zu beladen und entladen, dass die Ladung auf dem Schiff gleichmäßig verteilt und beladen wird, er lernt mit dem Wasserfahrzeug zu manövrieren, bei der Schifffahrt sicher rudern und die Wartung zu tätigen. Das Schiffsmanövrieren ist ein sehr schwieriges Tätigkeitsprozess, d.h. die Wendungen flußabwärts und flußaufwärts, das Schiff verankern und die Auskopplung zum Ufer oder zum anderen Schiff. Bei der eigentlichen Schifffahrt ist die Schiffssteuerung in den Engen sehr wichtig, sowie das Treffen anderer Schiffe. Dies alles wird während des nebligen Wetters oder in der Dunkelheit erschwert getätigt..

 

 

Was hat Sie bis zur Profession des Kapitäns hingebracht?

 

In Anbetracht dessen, daß ich gewissenhaft gelernt und die theoretische und praktische Vorbereitung geschafft, sowie die Mittelschule mit Abitur abgeschlossen habe, war ich in die Position Kadett, d.h. Anwärter auf die zukünftige Position als Kapitän eingestuft. Als Kadett waren mir am Schiff die administrativen Arbeiten, der Kontakt mit den Hafen-, Polizei-, Grenz- und Zollorganen zugeteilt worden und selbstverständlich noch die praktische Vorbereitung auf die Schiffssteuerung und Leitung der ganzen Schiffsbesatzung. In den Wintermonaten fanden die Kapitänslehrgänge statt, und nach der genügenden Erlangung der praktischen und theoretischen Kenntnisse habe ich mich den staatlichen Prüfungen vor der Prüfungskommission der staatlichen Schifffahrtsbehörde zum Kapitän unterzogen. Die Prüfungen habe ich erfolgreich abgelegt, und so bin ich Kapitän der Fernbinnenschifffahrt geworden.

 


Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?

 

Meine Erwartungen haben sich erfüllt und mit diesem Beruf war ich sehr zufrieden. Hindernis aber war, daß mein Familienleben darunter litt, denn meine Ehefrau war während meiner Schifffahrten immer alleine.

 


Haben Sie viele Freunde in anderen Donauländern?

 

Donau fließt durch mehrere Länder und jedes Land hat seine Spezifika. Für meine Arbeit waren die Fremdsprachenkenntnisse wichtig. Vom Zuhause aus habe ich sehr gut russisch und ungarisch beherrscht, andere slawische Sprachen auch. Bulgarisch und Serbokroatisch bereiten mir auch keine Probleme. In der Schule habe ich Deutsch gelernt, und selbstverständlich im amtlichen Verkehr habe ich Rumänisch gebraucht. Die größten Bekannschaften sind mit den Ungarn und Bulgaren entstanden, dies dank der Schifffahrtsgesellschaft Interlichter, in welcher die vier Mitgliedsstaaten - Sowjetunion, Bulgarien, Ungarn und Tschechoslowakei - sehr gute Kontakte unter sich gepflegt haben.

 


Haben Sie irgendwelche unangenehme Erinnerungen?

 

Ich selbst habe keine ernste Havarie erlebt, aber selbstverständlich haben wir Todesfälle registriert, als im Jahr 1972 der jugoslawische Schlepper in Bratislava in einen Pylon gestoßen ist und unterging. Oder als auf dem österreichischen Gebiet der slowakische Schlepper „Ďumbier"  in die Schiffsschleuse gestoßen ist und die ganze achtgliedrige Mannschaft, bis auf einen, ertrunken ist.  In der slowakischen Schifffahrt hat man jährlich im Durchschnitt 4-6 ertrunkene Personen registriert. Deswegen hat man Maßnahmen getroffen, daß jeder,der an einer Schifffahrt teilnimmt, pflichtgemäß schwimmen können muß und auf jedem Schiff für alle Anwesenden Rettungswesten bereit stehen müssen.

 


Was bedeutet für Sie die Donau?

 

Ich bin auf einem Schiff vom 18. bis zum 60.Lebensjahr gefahren, also volle 42 Jahre. Die Donau ist eine Verbindungsader quer durch Europa. Sie gewann vor 20 Jahren an Bedeutung, als der Rhein mit der Donau durch den Main durch einen Kanal verbunden ist und eine 3800 Km lange Wasserstraße entstanden ist, die die Nord-westliche europäische Häfen mit dem Schwarzmeerhafen verbindet. Es ist eine neue Möglichkeit für die Transportschiffe aus Holland, die Personenschiffe aus der Schweiz, Deutschland, Frankreich und den Benelux-Ländern entstanden.

Bis heute gehe ich oft zur Donau. Das Wankeln (Wippen) auf dem Schiff war für mich angenehm und manchmal fehlt es mir. Wir Schiffsleute haben die Angewohnheit, ein wenig humplig und breitbeinig zu gehen, als ob wir immer noch die Bordbewegung erwarten würden.

 

Bratislava 13.5.2009, ergänzt 1.7.2009

 

Konstantin KopinKonstantin
Kopin




Organisation
U3A Bratislava
Date
11.08.2009
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