Danube-Networkers
Devín in der Zeit des "eisernen Vorhangs"
Zusammengefasst nach einem Gespräch mit Frau Etel Jarosova
Interview: Sylvia Dillnbergerová
In diesem streng bewachten Grenzraum, mit Stacheldraht unter den Hochspannungsleitungen, die sich von einer Seite von Devin bis hin zum Wasserwerk in Karlova Ves hin zogen und an der anderen Seite durch den Steinbruch bis hin zu Devinska Nova Ves in die Richtung Tschechien, gab es eine Umzäunung, die uns von den anderen Gebieten abschirmte, besonders von Österreich, das war aber was - obwohl es nur ein Stück durch die March, durch die Donau - es war so wahnsinnig weit, unerreichbar, unzugänglich, eine Rarität. Der Schutzwall war künstlich angelegt und dadurch führte Stacheldraht.
Auf der Insel vor den Wasserwerken stand ein Gebäude, die Kohorte und die Militärrampe, wo jedes Auto, jeder Autobus stehen bleiben mußte. Die Einwohner von Devin mußten sich mit dem Personalausweis ausweisen, in welchem die Erwachsenen einen Stempel und die Nummer „27" hatten, um damit beweisen zu können, daß sie die Bewohner von Devin sind. Wer es nicht hatte, mußte aussteigen und durfte nicht weiter. Fremde Personen mußten für den Einlaß nach Devin eine spezielle Bewilligung haben. Durch die Militätrrampe sind wir täglich nach Karlova Ves in die Schule gegangen, die Rampe hat man immer aufgemacht oder zugemacht, ob wir aus dem Dorf gekommen oder gegangen sind. Jeder Fußgänger, Fahrradfahrer, jeder war kontrolliert. Ohne Bewilligung kam niemand nach Devin durch. Wenn wir wollten, daß unsere Verwandten zu uns zu Besuch kamen,mußte mein Vater zur Polizei gehen, er mußte es belegen, dort hat man es überprüft, dann hat er ein Formular erhalten, welches an der Rampe vorgezeigt wurde, die Leute wurden durchsucht, und dann durften sie weitergehen. Die ganze Gegend wurde kontrolliert, um eine Übersicht zu bekommen, wer nach Devin geht, aus welchen Gründen, ob das Emigranten sind, die diesen Weg mit dem Bus gefahren sind, denn von Devin war es bekannt, daß das der leichteste Durchgang durch die March nach Österreich war.
Wir lebten hier wie die Affen im Zoo, isoliert von den Menschen außen, Bratislava war für uns sehr weit entfernt. Überall waren viele Soldaten. Die Soldaten gingen mit Hunden und Gewehren durch die Wälder, die Hügel und rundumher haben sie bewacht. Die Einheimischen halfen den Flüchtlingen. Wohlweislich sprach man in der Öffentlichkeit nicht darüber. Es war eine schwierige Situation, denn die Bewohner von Devin mußten sehr vorsichtig sein, um ihre Familien zu schützen. Es wäre sehr gut, wenn die Bewohner von Devin über ihre Erlebnisse sprechen würden, daß alles aufgeschrieben würde, so könnte man eine Zeitzeugenschaft darüber machen. Leute, die außerhalb dieses Gebietes leben, oder Jugendliche, sind schockiert, wie es möglich war, daß auch woanders Grenzen waren, Stacheldrähte, aber nicht in der wunderlichen Art und Weise, daß wir von allem und allen isoliert waren.
Devin gehörte einige Zeit zum Deutschen Reich, deswegen lebten viele Deutsche in Devin, auch der Friedhof war voll von verlassenen deutschen/österreichischen Gräbern, die wir dann gepflegt haben, besonders die der Kinder, denn eigene hatten wir hier nicht, wir waren Zuwanderer. Auch das wäre gut aufzuschreiben, wie sie uns hierher übergesetzt haben, und als die alten Deutschen/Österreicher gestorben sind, ist hier eine neue Gruppe von den Menschen entstanden, die hierher umgezogen sind. Es wäre wunderbar, ein Treffen der noch lebenden Deutschen und Österreicher zu veranstalten, damit sie die Tatsachen aus dieser Zeit berichten könnten und das in die Memoiren der Nation geben würden, es ist Geschichte. Es gab ganz bestimmt in unserer Republik nichts ähnliches, so wie es hier in Devin war.
Als der eiserne Vorhang fiel, bin ich gleich hinüber nach Österreich gelaufen, um den Zusammenfluß der March und der Donau zu sehen, wie sieht die Burg Devin von der anderen Seite aus, weil es eine Rarität war, es war ein unerreichbares Stück Land, welches wir von der Burg gesehen haben, aber in keiner Weise anfassen konnten. Die verstorbenen Bewohner von Devin wurden staunen, wenn sie es sehen könnten, daß die Stacheldrahtzäune nicht mehr existieren, daß man sich frei bewegen kann, frei nach Österreichgehen kann, daß die englische Königin hier einen Besuch abgestattet hat, also, das würden sie nicht glauben, daß in so ein abgeschlossenes Gebiet, in welches kein einfacher, normaler Mensch der Slowakei kommen durfte, sie würden sich wundern, daß jetzt hierher jeder und jedesmal kommen kann. Wenn sie aufwachen könnten, würden sie auch über die Veränderungen vom Devin staunen, sie würden sich freuen, wie viele Touristen hierher kommen und auch bewundern, wie sie die Burg schön konserviert und verändert haben.






