Danube-Networkers
Brücken in Bratislava
Nach dem Gespräch mit dem Hauptarchitekten der Stadt Bratislava, Prof. Štefanom Šlachta.
Bearbeitet von: Sylvia Dillnbergerová
Bratislava, ähnlich wie andere Städte an der Donau, entwickelten sich nur auf einer Seite. Es war deswegen, weil die Donau ein außergewöhnliches Hindernis bildete und die technischen Möglichkeiten in der Vergangenheit nicht solche waren, daß sie so einen großen Fluß überwinden könnten. Besonders, als die Donau reguliert wurde. Auf der anderen Seite muß man sagen, daß Bratislava deswegen dort entstanden ist, wo es entstanden ist, weil hier die Chance war, auf die andere Seite durch das Inlanddelta, das hier mal existiert hat, zu gehen. Also, die erste Überbrückung der Donau kam erst am Ende des 19. Jahrhunderts zustande, das heißt, im Jahr 1891-1893, als die Brücke des Franz Joseph, heute die Alte Brücke, gebaut wurde, die mit der ursprünglichen sehr wenig zu tun hat, denn außer Steinpfeilern sind nur Fragmente geblieben.
Allerdings, es existierten Brücken, die älteste Pendelbrücke, dann Pontonbrücken und verschiede Möglichkeiten der Verbindungen. Ich erinnere mich noch an die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts, als wir über die Donau auf dem Eis gegangen sind, aber die Zeiten sind längst vorbei. Dadurch, daß Bratislava an der Grenze mit Österreich und Ungarn gelegen ist, hat um so mehr das Interesse für eine Brückenverbindung zu der anderen Seite gefehlt. Sodaß es eigentlich zur Realisation der weiteren Brücke erst in den 80er Jahren kam, als die Neue Brücke, ursprünglich die Brücke SNP, gebaut wurde, die eine beachtungswerte Konstruktion als Schrägseilbrücke hat und wo oben auf dem Pylon sich ein Restaurant befindet. Die Verbindung heute, seitdem die 150 000-Einwohner Petržalka, die drittgrößte Stadt der Slowakei, entstanden ist, ist mehr erforderlich als in der Vergangenheit, und die technische Möglichkeiten sind heutzutage besser als früher. So ist es eigentlich zum Bau der weiteren Brücken, nicht nur der interessanten doppelgeschossigen Hafenbrücke, sondern auch der Lafranconi-Brücke, auf welcher die Autobahn von Prag auf die andere Donauseite führt, gekommen.
Was die Beurteilung dieser Brücken anbetrifft, denke ich, daß jede ihre Spezifika, ihre Interessante hat - die Neue Brücke mit dem schrägen Pylon, es ist eine interessante Stahlkonstruktion und es ist eine unikate Lösung, denn dieser Pylon war niergendwo bekannt; ich denke, daß diese Brücke in Bratislava als Beispiel für diese Art Brücken gedient hat. Die Idee und die Lösung der Lafranconi-Brücke, derer Autor bin ich, ist wiederum deswegen interessant, weil es die erste Stahlbetonbrücke in Bratislava ist. Wegen des Geldmangels war es schwierig, diese Brücke zu bauen, erst am Anfang der 80. Jahren hat man es realisieren können. Die Brücke ist auch wichtig darin, daß man die Rechtsabbiegung zur Uferanlage geschlossen hat, womit man den Raum um Lanfranconi und um den Botanischen Garten gerettet hat. Auch wenn wegen dieser Brücken manche interessante Objekte zum Opfer gefallen sind, solche große Ingenieurwerke erfordern immer einige Opfer.
Die Hafenbrücke ist interessant deswegen, daß sie sowohl die Eisenbahn als auch die Autobahn über die Donau verbindet. Ich denke, darin liegt ihre Bedeutung. Es ist fraglich, ob wir in der Zukunft noch so eine Brücke parallel mit dieser bauen werden, denn heute laufen dort sechs Verkehrsspuren in zwei zusammen, was ziemlich große Probleme mit sich bringt.
Die zuletzt realisierte Brücke ist die Apollo-Brücke. Sie ist ziemlich widersprüchlich. Die Medien haben sie emporgehoben, gelobt, die technische Lösung war auch damit interessant, daß die einzigartige Montagetechnologie durch Einschwimmen über einen Drehpfeiler aus realisiert worden ist. Ich denke, daß der Bogen die Stadtpanorama um ein sehr interessantes Element aus der Sicht der Brückenform bereichert hat, ich kann aber nicht akzeptieren, daß das Element 30, 40 m vom Ufer endet, denn es ist ein bißchen gegen die Logik. Außerdem, die Brücke ist relativ eng und unbedingt hätte sie einen Platz für den Massenverkehr haben müssen.
In Bratislava plant man noch weitere Brücken. Heute spricht man über die sechste Brücke. Es sollte eine Brücke sein, die den Autobahnring aus Wien unterm Slovnaft und durch die Karpaten einerseits in Richtung Prag und mit der Verbindung auf die Süd-Eins Richtung Žilina führen sollte. Es ist eine relativ klare Zukunft. Aber heute diskutieren wir oft über die siebte Brücke, deren Lage man noch suchen muß. Es ist nicht leicht, denn Bratislava hat eine sehr besondere Hufeisenform, wo die Stirn des Hufeisens die Donau berührt, aber dieser Raum ist schon mit einzelnen Brücken ausgefüllt. Es ist noch um so mehr erschwert, daß auf der Petržalka-Seite Brunnen sind, welche eine bedeutende Wasserquelle für Bratislava sind, weiter befindet sich dort der Kapitulský Wald, das alles bedeutet, daß die Lagesuche für die siebte Brücke sehr problematisch ist. Deswegen habe ich wahrscheinlich auch die Lösung der Parallelbrücke neben der Hafenbrücke erwähnt.
Es gab auch Lösungen für den Durchgang unterhalb der Donau, was besonders schwierig ist, denn ob es auch Metro oder weitere verschiedene Lösungen waren, es war immer irgendeine Strichwasserlinie über die Donau, daß ein Tunnel hier sein sollte, was aber rein technisch gesehen nie ins reale Projekt weitergeleitet worden war. Das Problem liegt auch darin, daß ein gemenisamer Tunnel für die Straßenbahn und auch für die Schnellbahn viele technische Probleme mit sich bringt, die man vielleicht irgendwann lösen wird, momentan ist es aber noch unabsehbar.
Realistischer sind die Fußgängerbrücken über die Donau, worüber auch nachgedacht wird. Vor kurzem hat man über den sog. Stadteingriffe diskutiert, es fanden verschiedene Ausstellungen statt, z.B. in der SNG (Slowakische Nationalgalerie), wo man im Raum des Safarikplatzes auf die andere Seite eine neue Fußgängerbrücke vorgeschlagen hat. Es war ein Hängebrückensteg.
Ich denke, daß in der Zukunft ganz bestimmt über eine Brücke gegenüber dem Neuen Nationaltheater gesprochen wird. Auf der Petrzalka-Seite rechnet man mit einem großen Ausbau, welcher, meiner Meinung nach, vielleicht eine übernationale Bedeutung haben könnte. Hierher könnten die europäischen Institutionen übersiedeln und in Bezug auf die heute schon beendete Euroveu wäre dieser Fußgängerübergang von großer Bedeutung. Es sind schon manche Projekte vorgelegt worden, welche diese Fußgängerüberbrückung lösen. Wenn die Grenze der EU sich hinter die Ukraine verschiebt, dann sind Brüssel und Straßburg asymmetrisch. Bratislava hat eine außergewöhnliche Lage und immer noch irgendeinen menschlichen Maßstab. Sie ist wirklich eine kleine Großstadt.Den Raum gegenüber der Eurovea auf der anderen Seite sollten wir maximal beschützen. Sein Wert liegt besonders darin, daß ihn alle vier Verkehrsarten berühren - die Autobahn, Donau als Wassertransportstraße, Eisenbahn und die Flughafenentfernung beträgt nur 5 Minuten. Dort sollte eine einzigartige Architektur entstehen, aber auch mit besonderen Funktionen, durch die Bratislava auf der Europakarte weiterkommen könnte. Die Brücken von Bratislava könnten auf diese Art und Weise aus Bratislava eine Stadt auf den beiden Ufern der Donau entstehen lassen, und das Leben der Stadt würde noch mehr mit der Donau verbunden sein, und was noch wichtig ist, sie verbinden die Donau mit den europäischen Ländern.







