Danube-Networkers

Der Friedhof der Namenlosen

Text: Elfi Marek

Fotos 1 und 3: Elfi Marek

Foto 2: Gerti Zupanich



Bei Stromkilometer 1918,3, wo Auwald- und Wiesengebiet an den Alberner Hafen grenzt, befindet sich ein Friedhof besonderer Art, der Friedhof der Namenlosen. Ein Wasserwirbel in der Donau trieb hier immer wieder neben Treibgut auch die Körper von Ertrunkenen an Land, Menschen, oft bis zur Unkenntlichkeit zerstört, Menschen, von denen man nicht wusste, wer sie waren.

Anfangs wurden sie der Erde übergeben, die immer wieder von Überschwemmungen heimgesucht wurde.

 

Ein neuer Friedhof wurde 1900 von freiwilligen Helfern hinter dem Schutzdamm angelegt, der noch mit einer steinernen Umfassungsmauer und einer Einsegnungskapelle versehen wurde.

Durch die Donauregulierung und den Bau der Getreidesilos sowie des Kraftwerkes wurden seit 1939 dort keine Leichen mehr angespült.

 

Als ich im Spätherbst den Friedhof besuchte, war der karge Schmuck der Gräber von der Herbstsonne und dem Glühen des Herbstlaubes der Aubäume vergoldet. Weiße und versilberte Christusfiguren auf schlichten schmiedeeisernen Kreuzen sind ein letzter Gruß an die unbekannten Toten.

 

Vor vielen Gräbern waren Grablichter angezündet. Fast scheint es, dass die Nachwelt den oft verzweifelten Opfern der Donau jetzt die Aufmerksamkeit entgegenbringt, die ihnen im Leben oft versagt blieb.

Ein Gedicht auf einem Gedenkstein trägt zweifellos dem Schicksal der hier Begrabenen Rechnung:

 

Tief im Schatten alter Rüstern starren Kreuze hier am düstern Uferrand.

Aber keine Epitaphe,

Sagen uns wer unten schlafe, kühl im Sand.

Still ist´s in den weiten Auen, selbst die Donau ihre blauen Wogen hemmt.

Denn sie schlafen hier gemeinsam, die die Fluten still und einsam, angeschwemmt.

Alle, die sich hier gesellen, trieb Verzweiflung in der Wellen kalten Schoß.

Drum die Kreuze die da ragen, wie das Kreuz das sie getragen „NAMENLOS".

 

Etwas tröstlicher ein anderer Nachruf für die namenlosen Toten:

 

Wenn Ruh'und Frieden Ihr gesucht, Ihr arg gequälten Herzen,

Fern von der Welt, die Euch nun sucht, hier gibt es keine Schmerzen.

*

Fehlt auch moderner Gräbertand, nennt Euch kein Kreuz mit Namen,

Ihr ruhet hier in Gottes Hand, in seinem Frieden Amen.

*

Und kommt es einst zum Wiederseh'n, geniesst die Ruh indessen.

Der einstens ruft das „Aufersteh'n" wird Eurer nicht vergessen.

 

 

Wie auf jedem Friedhof findet man auch hier Kindergräber; besonders traurig, wenn da eine Inschrift „ Durch fremde Hand" ein widriges Kinderschicksal andeutet.

Es gibt aber auch Gräber bzw. Gedenksteine mit den Namen derer, die sich um den Friedhof Verdienste erworben haben: so für Herrn JOSEF FUCHS, der 60 Jahre lang bis zu seinem Tod die Gräber aufopfernd gepflegt und betreut hat.

Auch des Bezirksvorstehers wird gedacht, auf dessen Initiative die Errichtung des Friedhofes zustande kam.

Bevor ich das Augelände verlasse, fällt mir noch ein Anschlag  in die Augen, in dem der Verein Albern des Vereines der österreichischen Arbeiter Fischerei-Vereine die Kranzlegung für die Opfer der Donau am 1. Sonntag nach Allerheiligen anzeigt. Wie jedes Jahr wird da ein selbstgebautes Floß mit Kränzen und Blumen in Erinnerung an die treibenden Wasserleichen der Donau übergeben.

Es bleibt die Frage, warum erst den Toten die ihnen im Leben versagte Hilfsbereitschaft anderer Menschen unabhängig von Stand und Volkszugehörigkeit zuteil  wird oder hat dazu ihr Schicksal, Opfer der Donau geworden zu sein beigetragen?

 

Friedhof der NamenlosenFriedhof der NamenlosenFriedhof der Namenlosen




Organisation
VHS Ottakring/Hernals
Datum
27.05.2009
Kategorie
Brücken


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