Danube-Networkers
Interview mit Frau Kpt. Barbara Brandner-Mosser
Interview: Elfi Marek
Fotos: Maria Dürr
Kapitäninnen auf der Donau
Interview mit Frau Kpt. Barbara Brandner-Mosser
„Die Ruhe an Bord eines Schiffes zu genießen und dabei wunderbare Ufer an sich vorbeiziehen zu lassen", meint Kapitänin Brandner, „entspringt dem Wunsch nach Entschleunigung in unserer hektischen Zeit". Auf einer Fahrt mit der „MS Austria" oder „ms austria princess" ist es gut möglich, dass man unseren Kapitäninnen begegnet. Neugierig geworden, warum sie sich für den Kapitänsberuf entschieden haben, wende ich mich per Mail an die Brandner-Schifffahrt und frage nach:
Elfi Marek:
Fr. Kptn. Barbara Brandner-Mosser, die Firmengründung der Brandner Schiffahrt GmbH war 1995. Gemeinsam mit Ihrer Schwester, als junge Kapitäninnen, sind Sie in eine Männerdomäne eingedrungen. Wie schwierig war es - neben dem eingeführten Marktführer DDSG - Fuß zu fassen. Mit welcher Geschäftsphilosophie ist Ihnen das gelungen?
Fr. Barbara Brandner-Mosser.
„Meine Schwester und ich sind mit der Schifffahrt aufgewachsen, d.h. wir haben sozusagen Tag und Nacht das Schifffahrtsunternehmertum von Kindesbeinen an miterlebt; unter "Schifffahrt" meine ich hier die sogenannte "Schwarze Schifffahrt" und den Wasserbau, die das selbst aufgebaute Unternehmen der drei Brüder Brandner über viele Jahrzehnte in unterschiedlichen Intensitäten ausgemacht hat.
Im Jahre 1995 bot sich eine Chance, in die Personenschifffahrt einzusteigen, da die staatliche Schifffahrt liquidiert wurde. Über Jahrzehnte war die staatlich gestützte DDSG der größte Wettbewerber des privaten Familienunternehmens Brandner (in der "Schwarzen Schifffahrt") gewesen. Unsere Entscheidung war keine vorsätzliche Entscheidung, in eine "Männerdomäne" einzusteigen. Nachdem der Kauf des Personenschiffes „MS Austria" sehr spontan erfolgt ist, musste in kurzer Zeit ein Marketingkonzept entwickelt und vor allem der Einsatzort für das Schiff bestimmt werden. Hier hatten wir von Anbeginn sehr klare Vorstellungen, wie wir Personenschifffahrt betreiben wollten. Ein "gastfreundliches" Konzept, das heißt im wesentlichen ein gepflegtes, ansprechend gestaltetes Schiff,- sowohl von innen als auch von außen, eine gepflegte Gastronomie (Produkte frisch an Bord gekocht....), freundliche Stewardessen in flotten Uniformen, freundliches und zuvorkommendes Personal, ein umfassendes Kinderangebot, authentische Themenfahrten und vieles mehr. Die persönliche Komponente haben wir stets groß geschrieben. Nachdem wir im Tourismus gänzliche "No names" waren, haben wir in der Folge sehr intensiv Klinken geputzt, uns überall persönlich vorstellig gemacht und unser Konzept präsentiert, das bei vielen Reisebüros sehr guten Anklang gefunden hat. Unsere Firmenwerte: Aufmerksamkeit, Ordnung, Wertschätzung und Zuverlässigkeit haben wir bestmöglich (vor)gelebt, und sind nie "stehengeblieben", haben uns nie auf Erfolgen ausgeruht, sondern haben uns stets weiterentwickelt. Im Jahre 2003 haben wir dann unser zweites Personenschiff „ms austria princess" erworben und gänzlich umgebaut, im Jahre 2008 unsere „MS Austria" einem Großumbau unterzogen und auch im Jahre 2010 gibt es wieder viel Neues.
Elfi Marek:
Wir entnehmen ihrer Homepage, dass sich Ihre Firma im Kultursponsoring sehr stark engagiert. Z. B: bei „Hubert von Goisern goes East" und beim „Save the World Award 2009". Gibt es besondere persönliche Gründe dafür?
Fr. Barbara Brandner- Mosser:
Schon die Brüder Brandner waren stets großzügig und haben kulturelle Projekte nach Maßgabe ihrer Möglichkeiten unterstützt. Das erste "große Projekt", die Floßfahrt im Jahre 1997 im Rahmen des NÖ-Donaufestivals stellt sozusagen die Ouvertüre für weitere große und interessante Projekte dar, die in den Folgejahren umgesetzt wurden. Hier stand stets die Anwendung des im Unternehmen gebundenen großen nautischen Knowhows im Vordergrund. Durch den außergewöhnlichen Einsatz verschiedener schwimmender Geräte (vor allem der
BRANDNER Wasserbau GmbH) wurde "Sponsoring" betrieben so bei Projekten wie: die „Stromlinien", die" Linzer Klangwolke" und die „Melker Sommerspiele".
Hubert von Goiserns Reise etc. wäre ohne unseren Einsatz kaum möglich gewesen.
Zum einem, war es stets der Reiz, etwas "noch nie Dagewesenes umzusetzen", zum anderen immer auch persönliche Komponenten, die zum Engagement geführt haben.
Elfi Marek:
Wie wird sich, Ihrer Meinung nach, die Donauschifffahrt künftig entwickeln? Wird sie ausbaufähig sein, auch für Ihren Betrieb? Werden mehr Menschen, statt zu fliegen, eine ruhige, genussvolle Donaufahrt bevorzugen?
Fr. Barbara Brandner - Mosser:
„Nachdem die Schifffahrt auf der Donau ein Erlebnis besonders genussvoller Art darstellt, sind wir überzeugt davon, dass diese auch in den kommenden Dezennien eine attraktive "Option" für Reisende darstellt und zwar sowohl in der Kabinenschifffahrt, als auch in der Ausflugs- und Bedarfsschifffahrt. Die Ruhe an Bord eines Schiffes zu genießen und dabei wunderbare Ufer an sich vorbeiziehen zu lassen, entspricht nicht nur dem Zeitgeist, sondern kommt auch dem sich noch intensiver entwickelnden Bedürfnis nach Entschleunigung der Menschen nahe. Insbesondere für die Zielgruppe 50 +, die sehr vital und unternehmungslustig ist, für die Genuss sehr wichtig ist, ist Schifffahrt ein tolles Angebot. Insbesondere auch für die neue Zielgruppe der LOHAS ist gepflegte Personenschifffahrt - so wie die BRANDNER Schifffahrt sie bietet, eine willkommene Möglichkeit, um "Kurzurlaub auf Donauwellen" zu verbringen".
Elfi Marek: Dazu wünsche nicht nur ich viel Erfolg und bedanke mich für das interessante Interview.
Anmerkung:
Fr. Birgit Brandner-Wallner - Schwester von Fr. Barbara - vermarktet die Donauanlegestellen von Linz bis Budapest und gehört ebenso zu den ersten Kapitäninnen der Donauschifffahrt in Österreich.
Die derzeit jüngste Kapitänin ist Fr. Helene Schaurecker in Linz. Die älteste, uns bekannte, ist die 90jährige Hedwig Kaspar in Neu-Ulm (siehe Interview http://www.swp.de)
Webseite der Brandner Schifffahrt: http://www.brandner.at





