Danube-Networkers
Fische halfen uns zu überleben …
Text / Bilder: Gerti Zupanich, Veronika Schnablegger
... das erzählt uns der älteste Fischer, 83 Jahre, den wir im Fischereimuseum in Wien trafen.
Das Museum mit vielen Exponaten zum Donauraum hat seinen Standort nahe dem linken Donauufer bei Wien. Nicht nur die größten und seltensten Fische, auch Vögel und Biber, haben dort ihren Platz gefunden. Der Museumsbetrieb wird von den Mitgliedern des privaten Vereins geführt. Mit viel Idealismus sammeln diese historische Objekte der Fischerei und erklären Schulklassen die ökologische Bedeutung des Donauraumes. Einzige Einnahmequelle ist die Lizenzvergabe für das Angeln entlang des Marchfeldkanales, die aber mit der Auflage, den Fischbestand aufrecht zu halten, verbunden ist.
Unsere Fragen zum „Fischen, einst und jetzt" beantwortet das älteste Mitglied, Hr. Johann Manhart, 83 Jahre.
Hr. Manhart:
"In meiner Familie waren zwar keine Berufsfischer, die Fischerei war aber fester Bestandteil unseres Lebens. Besonders in Notzeiten, wie in den 20er und 30er Jahren und nach dem 2.Weltkrieg, hat der Fischfang uns geholfen zu überleben. Wir wohnen seit Generationen nahe beim Donauwasser, ob in Korneuburg oder in der Schwarzlackenau (1)."
"Als die Donau noch nicht reguliert war, so Ende der 1930er Jahre, reichte ein Arm vom Stromkilometer 1936,3 über Jedlesee (2) bis zur Floridsdorfer Brücke. Es war leicht mit dem Fischen. Was mein Großvater und Vater herausfing, hat sogar zum Verkaufen oder Tauschen mit anderen Lebensmitteln gereicht. Ich habe elf Onkeln, alles Söhne vom Großvater, die haben eh genug zum Essen gebraucht. Wir waren vier Kinder und Vater hat nur 6,- Schilling Arbeitslosengeld gehabt. Bei uns gab es viel gedünsteten Fisch. Gedünstet, weil Mutter kein Fett hatte. Ich esse Fisch gerne, nur den Geruch von gedünstetem Fisch kann ich nicht riechen."
"Wie dann der Damm gebaut wurde, war das Wasser natürlich weg. Doch irgendwoher stieg wieder Wasser auf, wahrscheinlich von Quellen (Anmerkung: Grundwasser). Jetzt gab es auf einmal viele Tümpeln. Frösche und Kröten sammelten sich darin. Das wiederum zog Fische an und eine weitere gute Zeit mit der Fischerei begann."
Wir fragen nach der Besatzungszeit. Gerti kann sich erinnern, dass auf der linken Donauseite von Wien die sowjetische Armee ihre Soldaten stationiert hatte.
Haben die Russen nicht auch gefischt?
Hr. Manhart: "Was heißt gefischt! Die haben einfach Handgranaten ins Wasser geworfen. Da hat's die Fische nur zerfetzt! Die ganzen haben's mitgenommen. Wir Buam haben dann nach den Gesunkenen getaucht und sie nach Hause gebracht".
Veronika: Warum sind welche oben geblieben und andere gesunken?
Hr. Manhart: "No, wenn's die Schwimmblasen zerfetzt, dann sinken's halt."
Veronika: "Gibt es keine Fischerin, nur Männer?"
Hr. Manhart (zögert): "Wir haben sogar bei uns eine gehabt, die ist aber schon gestorben." Er erzählt weiter:
"Der Vater hat ein Daubelnetz - so wie es draußen vorm Haus (Museum) steht - in den 30er Jahren verwendet und noch viel damit gefangen. Heute kommt's ganz ab, zuwenig Fisch' drinnen. Früher hat es in der Donau sogar Störe und Husen, die Kaviarlieferanten, gegeben. Jetzt wollen's es wieder mit den Daubeln (3) probieren.
Wir waren alle Fischer (in der Familie), ich bin's noch immer. Ich fahre mit meinem Sohn jedes Jahr nach Irland. Wir fangen im Meer Dorsch und Pollak (4). Je 10kg nehmen wir nach Wien mit. Das ist erlaubt. Wir geben sie filetiert in Frischhaltesackerln und in die Koffer. Unser G'wand - eh nur wenig - ist Handgepäck."
Wir kommen im Herbst wieder und fotografieren. Hr. Manhart und sein Sohn haben Dienst beim Fischereimuseum und säubern das Ufergelände. Auch eine der Aufgaben, die der Verein übernommen hat. Sie könnten uns noch viele Geschichten über die Fischerei erzählen, meinen sie...
(1) und (2) Schwarzlackenau und Jedlersee sind Gebiete nahe der Donau, einst Sumpfgebiet, nach der Trockenlegung ein Wohngebiet
(3) Daubelfischen ist eine spezielle Art des Fischens. Stellnetze - Daubeln - werden von einem festen Platz (Fischerhaus, Boot, etc.) ins Wasser gesenkt und von Zeit zu Zeit hochgehoben, um die Fische aus den Netzen zu nehmen. Heute ist diese Fangart selten geworden. Weil diese Daubelboote bereits historischen Seltenheitswert haben, wurde ihnen an der Donau, in der Nähe von Wien, eine Stellmöglichkeit überlassen.
(4) Pollak ist ein Meeresfisch, ähnlich dem Dorsch






