Danube-Networkers
Mein erster Besuch bei der Brücke der Freundschaft
Text: Margarita Holzer
Die „Giurgiu-Russe-Freundschaftsbrücke" oder „Brücke der Freundschaft" ist eine Straßen- und Eisenbahnbrücke über die Donau zwischen Giurgiu in Rumänien und Russe - mein Geburtsort - in Bulgarien. Die Brücke liegt am nordöstlichen Strand von Russe. Die zweistöckige Fachwerkbrücke aus Stahl wurde von Georgi Owtscharow entworfen und innerhalb von zweieinhalb Jahren zwischen 1952 und 1954 mit sowjetischer Hilfe gebaut. Eröffnet wurde sie am 20. Juni 1954. Auf zwei übereinander angeordneten Ebenen voneinander getrennt wird der Straßen- und Eisenbahnverkehr über die Donau geführt, auch ein Bürgersteig für Fußgängerverkehr ist vorhanden. Die Brücke ist 2,8 km lang und ragt an ihrer höchsten Stelle 30 m über den Wasserspiegel. Zum Zeitpunkt ihrer Errichtung war sie damit die längste Kombi-Brücke für Automobil- und Eisenbahnverkehr in Europa. Ein 85 m langer Mittelteil der Brücke kann hochgeklappt werden, um größeren Schiffen eine Passage zu ermöglichen. Die künstlerische Ausgestaltung der beiden Brückenportale auf bulgarischer und rumänischer Seite erfolgte durch den ukrainischen Bildhauer Michailo Iwanowitsch Paraschtschuk.
Vor der Brücke wurden ein Gebäude zur Grenzkontrolle und ein Gebäude als Zollamt gebaut. Niemand durfte auf der Brücke spazierengehen. Das war Grenzgebiet, Sperrgebiet.
Als ich 1961 in der fünften Klasse Volksschule war, haben wir begonnen, Geografie zu studieren. Das Thema war „bulgarische Grenzen". Unser Lehrer hat um eine Erlaubnis bei der verantwortlichen Behörde angesucht und ist mit der Klasse im Bus zu der Brücke gefahren. Dort hat uns ein Grenzoffizier gezählt und hat uns zu der Brücke begleitet. Unser Lehrer hat uns in eine Zweierreihe geordnet und wir waren nach ein paar Schritten in der Fußgängerzone der Brücke. Wir durften bis zu unserem bulgarischen Grenzposten gehen. Die Grenzlinie befindet sich in der Mitte der Brücke. Wir haben uns sehr gefreut, zum ersten Mal in unserem Leben einen echten Grenzsoldaten zu treffen. Er trug eine grüne Uniform, hielt ein Gewehr in der Hand und stand vor einer Hütte. Nach einer Distanz von 30-40 Metern stand der rumänische Grenzsoldat vor seiner Hütte. Wir haben ihm gewunken, aber er reagierte nicht. Unser Lehrer hat uns gesagt, er darf mit uns nicht reden oder winken. Der Tag war sehr schön. Es war ein Herbsttag mit viel Sonne, das Wasser der Donau war ruhig, still und klar, wie wenn es sich für den Winterschlaf vorbereiten würde. Dann haben wir von unserem Lehrer den Ton bekommen und die Klasse begann zu singen: „Stille, weiße Donau wedelt sich auf "....
Nach unserem Besuch sind wir sehr zufrieden und glücklich von unserem Treffen mit echten Grenzsoldaten und Spaziergang an die Brücke nach Hause gefahren.


